18. April 2023 | Dieser Text wurde nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von MedizinerInnen geprüft.

Multiples Myelom

Autor

OA Dr. med. Ercan Müldür

Medizinischer Experte

CO-AUTOR

Alexandra Musalek

Online-Redaktion

GSK
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Das multiple Myelom bzw. Plasmozytom ist eine Erkrankung der Plasmazellen, einer speziellen Sorte von Blutzellen. Dabei verändern sich die Plasmazellen im Knochenmark und vermehren sich unkontrolliert. Diese entarteten Plasmazellen bilden vielfache Zellhaufen im Knochenmark, verhindern dadurch die normale Bildung von Blutzellen und zerstören die Knochen. Umgangssprachlich wird das multiple Myelom auch als „Knochenmarkkrebs“ bezeichnet.

Was versteht die Medizin unter einem multiplen Myelom?

Beim multiplen Myelon, auch Plasmozytom genannt, handelt es sich um eine Krebserkrankung der Plasmazellen. Hierbei vermehren sich im Knochenmark und manchmal auch in anderen Körperteilen unkontrolliert fehlbildende Plasmazellen. Die Betroffenen leiden dann häufig an Knochenschmerzen und -brüchen, und können auch unter Nierenproblemen, einem geschwächten Immunsystem (Immunschwäche), Schwäche und Verwirrtheit leiden. Diagnostiziert wird es durch die Messung verschiedener Arten von Antikörpern im Blut und Urin. Anhand einer Knochenmarkbiopsie kann die Diagnose bestätigt werden. Bei der Behandlung kommt es oftmals zu einer Kombination aus herkömmlichen Chemotherapeutika, Kortikosteroide und einem oder mehreren der folgenden Wirkstoffe:

  • Proteasominhibitoren (z.B. Bortezomib, Carfilzomib oder Ixazomib), die eine Verlangsamung des Zellwachstums und eine Beschleunigung des Absterbens von Zellen bewirken
  • Immunmodulierenden Medikamenten (z.B. Lenalidomid, Thalidomid oder Pomalidomid), die das Immunsystem beeinflussen
  • Kernexport Inhibitor Selinexor
  • monoklonalen Antikörpern (einschließlich Daratumumab, Isatuximab oder Elotuzumab), das sind Antikörper, die von einer bestimmten Zelllinie gebildet werden und sich gegen ein identisches Epitop (Bestandteil des Antigens) richten

Plasmazellen entwickeln sich aus den B-Zellen, auch B-Lymphozyten genannt, einem Typ weißer Blutkörperchen, der normalerweise Antikörper bzw. Immunglobuline bildet. Antikörper sind Eiweiße, die Infektionen im Körper abwehren. Vermehrt sich eine einzige Plasmazelle übermäßig, dann bildet die daraus entstehende Gruppe genetisch identischer Zellen (sogenannte Klone) eine große Menge einer einzelnen Art von Antikörpern. Da aber diese Antikörper von einem einzigen Klon gebildet werden, bezeichnet man sie auch als monoklonale Antikörper oder auch als M-Protein.

Das Durchschnittalter bei einem multiplen Myelom beträgt ungefähr 65 Jahre. Die Ursache für ein multiples Myelom ist noch unklar. Jedoch zeigt das gehäufte Auftreten von multiplen Myelomen bei nahen Verwandten, dass Vererbung dabei eine Rolle spielt. Zu den möglichen Ursachen zählen Strahlenbelastung sowie der Kontakt mit Benzol und anderen Lösungsmitteln.

Im Normalfall machen Plasmazellen weniger als ein Prozent der Zellen im Knochenmark aus. Beim multiplen Myelom hingegen besteht die Mehrheit der Knochenmarkbestandteile aus krebsartigen Plasmazellen. Diese erhöhte Menge führt zu einer erhöhten Produktion von Eiweißen. Und diese unterdrücken die Entwicklung der anderen normalen Bestandteile des Knochenmarks, etwa die der roten und weißen Blutkörperchen und Blutplättchen (zellenartigen Partikel, die bei der Blutgerinnung helfen). Das sorgt dafür, dass große Mengen des monoklonalen Antikörpers gebildet und gleichzeitig die Bildung normaler Antikörper als Abwehrmechanismus deutlich verringert wird.

Oft kommt es vor, dass sich die krebsartigen Plasmazellen in den Knochen zu Tumoren entwickeln. Zudem scheiden die Krebszellen Substanzen aus, welche zu einem Knochenverlust, insbesondere im Beckenknochen, der Wirbelsäule, den Rippen und dem Schädel führen können. In seltenen Fällen entstehen diese Tumoren in anderen Bereichen und befallen dann vor allem die Lunge, Leber und Nieren.

Welche Ursachen hat ein multiples Myelom?

Die genauen Ursachen der Erkrankung sich noch weitgehend ungeklärt. Allerdings können starke ionisierende Strahlung (radioaktiv), angeborene Immundefekte und bestimmte Autoimmunerkrankungen das Risiko, an einem multiplen Myelom zu erkranken, erhöhen. In sehr seltenen Fällen kommt es zu einer familiären Häufung der Erkrankung. Jedoch gilt die Erkrankung nicht als Erbkrankheit. Im Gegensatz zu anderen Krebserkrankungen (z.B. Lungenkrebs durch Tabakrauch) ist bis heute kein Risikoverhalten bekannt, durch welches eine Myelom-Erkrankung begünstigt wird. Folglich gibt es für bösartige Plasmazellerkrankungen auch keine vorbeugenden Maßnahmen, durch die die Entstehung der Erkrankung vermieden werden könnte.

Welche Symptome gibt es bei einem multiplen Myelom?

Oft dringen die Plasmazelltumoren in die Knochen ein und können dort Schmerzen verursachen. Speziell kann das in der Wirbelsäule, den Rippen und der Hüfte auftreten. Andere Symptome stammen von Komplikationen.

Komplikationen

Führen die Tumoren der Plasmazellen zu einem Rückgang der Knochendichte (Osteopenie oder Osteoporose), dann können bei den Betroffenen Knochenbrüche auftreten.

Zudem löst sich das Kalzium aus den Knochen heraus, was dann im Blut in auffällig hohen Mengen wiedergefunden wird. Das kann Verstopfung, häufiges Wasserlassen, Nierenprobleme, Schwäche und Verwirrtheit auslösen.

Durch die verminderte Bildung roter Blutkörperchen kommt es häufig zu einer Anämie (Blutarmut), die zu Erschöpfung, Schwächegefühl, Blässe (Fahlheit) und möglicherweise auch zu Herzproblemen führen kann. Auch Infektionen mit Fieber und Schüttelfrost sind häufige Komplikationen. Diese treten aufgrund der verringerten Zahl weißer Blutkörperchen auf. Aufgrund einer verminderten Blutplättchen Bildung ist die Gerinnungsfähigkeit des Körpers beeinträchtigt, was zu Blutungen und Blutergüssen führt.

Häufig landen Teile monoklonaler Antikörper, die als leichte Ketten bekannt sind, im Sammelsystem der Nieren, wo sie in manchen Fällen die Nieren dauerhaft beschädigen. Dadurch kann die Filterfunktion der Nieren beeinträchtigt werden, was zu Niereninsuffizienz führt. Als Bence-Jones-Proteine werden ungewöhnliche Antikörperteile (leichte Ketten) im Urin oder Blut bezeichnet. Es kann auch zu einer Überproduktion von Harnsäure im Urin und folglich zu Nierensteinen kommen, aufgrund der ansteigenden Zahl wachsender krebsartiger Zellen. In den Nieren oder anderen Organen können sich Ablagerungen von bestimmten Antikörperteilen bilden und zu einer Amyloidose führen. Das ist eine ernste Erkrankung, die bei einigen Patienten mit multiplem Myelom auftritt.

Sehr selten ruft das multiple Myelom Störungen in der Haut, den Fingern, Zehen, der Nase, in den Nieren und im Gehirn hervor, aufgrund einer Verdickung des Blutes (Hyperviskositätssyndrom).

Wie wird ein multiples Myelom diagnostiziert?

  • Knochenmarkbiopsie
  • Laboruntersuchungen
  • Röntgenbilder und andere bildgebende Verfahren (z.B. Magnetresonanztomographie und Positronenemissionstomographie in Kombination mit Computertomographie)

Das multiple Myelom kann bereits entdeckt werden, bevor beim Patienten die Symptome eintreten. Beispielsweise wenn bei einer aus anderen Gründen vorgenommenen Laboruntersuchung ein erhöhter Protein- bzw. Eiweißgehalt im Blut oder im Urin festgestellt wird. Aber auch bei einer Röntgenaufnahme kann bereits Knochenschwund erkannt werden. Der Knochenschwund kann im Körper weit verteilt sein. Jedoch tritt er häufiger als isolierte ausgestanzte Bereiche im Knochen auf.

Bei Symptomen wie Rückenschmerzen oder Knochenschmerzen an anderen Stellen, Erschöpfung, Fieber und Blutergüssen wird häufig von einem multiplen Myelom ausgegangen. Die entsprechenden Bluttests werden einen Mangel an weißen Blutkörperchen und Blutplättchen, eine Anämie oder ein Nierenversagen anzeigen.

Zu den wichtigsten Laboruntersuchungen gehören die Proteinelektrophorese und die Immunelektrophorese im Serum und Urin. Diese Tests identifizieren die für ein multiples Myelom charakteristischen fehlgebildeten Antikörper. Darüber hinaus messen diese Tests die verschiedenen Antikörperarten, vor allem IgG, IgA und IgM. Sehr selten kommen unter den multiplen Myelomen das IgD- und IgE-Myelom vor. Die Tests messen auch die Kalziumwerte.

Das Urin wird über einen Zeitraum von 24 Stunden gesammelt und auf Menge und Art von Eiweißen analysiert. Bei der Hälfte der am multiplen Myelom erkrankten Patienten lassen sich Bence-Jones-Proteine im Urin finden. Diese stellen einen Teil des monoklonalen Antikörpers dar.

Zur Bestätigung der Diagnose werden eine Knochenmarkaspiration und eine Biopsie vorgenommen. Diese Proben des Knochenmarks zeigen bei Patienten mit multiplem Myelom eine große Anzahl Plasmazellen, die auf eine ungewöhnliche Art in Platten und Cluster angeordnet sind. Aber auch einzelne Zellen können abnormal aussehen.

Damit der Arzt feststellen kann, wie weit das multiple Myelom fortgeschritten ist (Stadieneinteilung), können noch weitere Bluttests nützlich sein. Bei der Diagnose können bestimmte Veränderungen der Konzentration bestimmter Proteine hinweise auf die Prognose der Krankheit geben. Beispielsweise weisen höhere Werte für Beta2Mikroglobulin und niedrigere Werte für Albumin im Blut in der Regel auf schlechte Überlebenschancen hin. Dies beeinflusst auch die Behandlungsentscheidung. Auch bestimmte Chromosomenanomalien und ein höherer Lactatdehydrogenasespiegel im Serum deuten auf eine schlechte Überlebenschance hin.

Auch wenn Röntgenaufnahmen auf ein multiples Myelom hindeuten, sind dennoch bildgebende Verfahren notwendig. Damit erkennt der Arzt, welche Knochen betroffen sind. In der Regel macht der Arzt eine sogenannte Skelettuntersuchung, bei der eine Röntgenaufnahme des gesamten Körpers gemacht wird. Um bestimmte Stellen mit Knochenschmerzen zu untersuchen, kann der Mediziner zudem eine Magnetresonanztomographie (MRT) oder Positronen-Emissions-Tomographie (PET) in Kombination mit einer Computertomographie (CT) durchführen.

Welche Stadien gibt es bei einem multiplen Myelom?

Das Krankheitsstadium wird bei allen Patienten festgelegt. In den meisten Fällen liegt zum Zeitpunkt der Diagnosestellung ein Stadium III, das höchste Stadium, der Erkrankung vor. Die Stadieneinteilung nach Salmon und Durie aus dem Jahr 1975 hat in den letzten Jahren an Bedeutung verloren. Inzwischen existieren zuverlässigere Merkmale zur Abschätzung des Krankheitsverlaufs.

Stadieneinteilung

Nachdem der Arzt die Diagnose multiples Myelom gestellt hat, folgt anhand der Befunde eine Einteilung in Stadien. Anhand dessen kann der Arzt ungefähr den Krankheitsverlauf des Patienten schätzen.

Heute verwenden Ärzte meist die Klassifikation einer internationalen Myelom-Arbeitsgruppe mit renommierten Experten verschiedener Länder (engl. International Myeloma Working Group IMWG). Dieses internationale Staging-System (kurz ISS) zur Stadieneinteilung des multiplen Myeloms wurde im Jahr 2005 entwickelt und berücksichtigt die zwei Bluteiweiße Beta-2-Mikroglobulin und Albumin. Beta-2-Mikroglobulin ist ein sogenanntes Plasmaprotein aus der Beta-Globulinfraktion. Es kommt in den Membranen aller bisher untersuchten Zellen vor und wird von dort in verschiedene Körperflüssigkeiten (z.B. Urin, Blutplasma) abgesondert. Albumin ist ein Eiweiß, welches in der Leber gebildet wird. Es gehört gemeinsam mit den Globulinen zu den bedeutendsten im Blut vorkommenden Eiweißstoffen.
Die ISS-Stadieneinteilung des multiplen Myeloms sieht wie folgt aus:

Stadium I:

  • Beta-2-Mikroglobulin ist niedriger als 3,5 mg/l und
  • Albumin ist größer bzw. gleich 3,5 g/dl und
  • Zytogenetik-Standardrisiko und
  • LDH (Laktat-Dehydronase) ist kleiner bzw. gleich dem oberen Normwert

Stadium II:

  • Weder Stadium I noch Stadium III

Stadium III

  • Beta-2-Mikroglobulin ist höher bzw. gleich 5,5 mg/l und
  • Zytogenetik-Hochrisiko oder
  • LDH ist höher als der obere Normwert

Es gibt aber auch andere Unterscheidungen, die für die klinische Versorgung der Patienten entscheidender sind als die reine Stadieneinteilung:

  • nicht behandlungsbedürftige Vorstufe (MGUS) bzw. bösartige Plasmazellerkrankung (Plasmozytom / multiples Myelom)
  • lokalisierte (Plasmozytom) bzw. generalisierte (multiples Myelom) Erkrankung
  • symptomatisches multiples Myelom bzw. asymptomatisches multiples Myelom

Aus diesen Unterscheidungen resultieren sich unterschiedliche Therapieentscheidungen:

  • keine Therapie bei MGUS
  • Strahlentherapie bei Plasmozytom
  • Chemotherapie bei symptomatischem oder asymptomatischem multiplem Myelom mit Vorliegen von Risikofaktoren
  • Verlaufsbeobachtung bei asymptomatischem Myelom

Welche Behandlungen gibt es bei einem multiplen Myelom?

Obwohl es bei der Behandlung des multiplen Myelon bereits erhebliche Fortschritte gab, gilt die Krankheit weiterhin als unheilbar. Das Ziel der Behandlung ist es, die Symptome und Komplikationen zu lindern oder diesen vorzubeugen. Dafür werden die kranken Plasmazellen zerstört, wodurch der Krankheitsverlauf verlangsamt wird.

Gewöhnlich beginnt die Behandlung erst, wenn der Patient an Symptomen oder Komplikationen leidet. Bei Patienten mit Hochrisikomerkmalen, die keine Symptome haben und an keinen offensichtlichen Komplikationen leiden, kann es jedoch auch notwendig sein, eine Behandlung zu beginnen. Zu den Hochrisikomerkmalen gehören ein größeres Ausmaß der Erkrankung, Konzentration bestimmter Proteine im Blut und spezifische genetische Auffälligkeiten in den Tumorzellen.

Medikamentöse Behandlung

Bei der Therapie kommen viele verschiedene Medikamente zum Einsatz, die das Fortschreiten des multiplen Myeloms verlangsamen, indem sie auffällige Plasmazellen abtöten. Abhängig von den Eigenschaften des Myeloms und der Eignung des Patienten für eine Stammzellentransplantation verabreicht der Arzt verschiedene Kombinationen von Medikamenten. Dabei entscheidet er sich für Medikamentenkombinationen aus einer oder mehreren der folgenden Klassen:

Ein immunmodulierender Wirkstoff (etwa Thalidomid, Lenalidomid oder Pomalidomid) und/oder einen Proteasominhibitor (z.B. Bortezomib, Carfilzomib oder Ixazomib) plus Kortikosteroide (wie z.B. Dexamethason, Prednison oder Methylprednisolon)

Traditionelle Chemotherapeutika, etwa Alkylierungsmittel (Melphalan, Cyclophosphamid oder Bendamustin) oder Anthrazyklin (Doxorubicin oder seine pegylierte liposomale Formulierung)
Monoklonale Antikörper wie Elotuzumab, Isatuximab und Daratumumab

Chemotherapie

Bei Chemotherapeutika handelt es sich um Substanzen, die das Wachstum von Tumorzellen hemmen. Bei einer Chemotherapie werden sowohl gesunde als auch kranke Zellen zerstört. Daher muss bei der Verabreichung von Chemotherapeutika die Anzahl der Blutkörperchen ständig kontrolliert werden. Sinkt die Zahl der weißen Blutkörperchen und der Blutplättchen zu weit ab, muss der Arzt die Dosis der Medikamente anpassen. Im Gegensatz zu anderen bösartigen Tumoren, bei denen eine sofortige Therapie mit Chemotherapeutika notwendig ist, rechtfertigt die Diagnose multiples Myelom bzw. Plasmozytom nicht zwangsläufig eine sofortige Chemotherapie. Eine Chemotherapie sollte allerdings begonnen werden, wenn Du an folgenden Symptomen leidest:

  • Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit, Müdigkeit, Gewichtsabnahme oder Knochenschmerzen
  • Einschränkung der Nierenfunktion
  • Hyperkalzämie (ein hoher Kalziumspiegel im Blut)
  • Zunehmend stärkere Anämie bzw. Blutarmut

Bei der Behandlung des multiplen Myeloms haben sich bestimmte Zytostatika (Medikamente zur Hemmung des Zellwachstums), sogenannte Alkylanzien, als wirksam erwiesen. Manchmal werden Alkylanzien wie z.B. Melphalan oder Cyclophosphamid mit Kortison-Präparaten kombiniert.

Häufig treten bei einer Chemotherapie Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen auf. Blutarmut, Entzündungen der Schleimhäute, Haarausfall, Schädigung des Nervensystems und Gewichtszunahme sind weitere mögliche Nebenwirkungen. Meist begrenzen sich diese Nebenwirkungen nur auf die Zeit der Chemotherapie. Welche Präparate in welcher Kombination bei Deiner Chemotherapie in Frage kommen, erfährst du von Deinem behandelnden Arzt.

Hochdosis-Therapie und Stammzellentransplantation

In Manchen Fällen werden Stammzellentransplantationen empfohlen. Speziell bei Patienten mit einem grundsätzlich guten Gesundheitszustand sowie bei Myelomen, die auf mehrere Zyklen der medikamentösen Behandlung ansprechen. Stammzellen sind nicht spezialisierte Zellen, die sich in unreife Blutzellen verwandeln. Aus ihnen entstehen dann rote und weiße Blutkörperchen und Blutplättchen. Sie werden vor Beginn der Hochdosis-Chemotherapie aus dem Blut oder Knochenmark des Patienten entnommen. Nach Abschluss der hochdosierten Behandlung werden diese Stammzellen wieder zurückgegeben. Grundsätzlich wird dieses Verfahren nur bei Patienten angewandt, die jünger als 70 Jahre sind. Allerdings wird heutzutage die Stammzellentransplantation immer seltener angewendet, da die meisten neueren Medikamentenkombinationen hochwirksam sind.

Strahlentherapie

Starke Analgetika und eine Strahlentherapie für die betroffenen Knochen können bei der Linderung der oftmals sehr starken Knochenschmerzen helfen. Durch eine Strahlentherapie können auch Knochenbrüche verhindert werden. Jedoch kann eine Strahlentherapie auch die Funktion des Knochenmarks beschädigen. Dies kann sich auf die Möglichkeit zur Behandlung mit Medikamenten gegen das multiple Myelom auswirken. Die Entwicklung von Knochenkomplikationen kann durch eine monatliche intravenöse Behandlung mit Pamidronat, ein Medikament, das den Rückgang der Knochendichte anzeigt, verhindern werden. Aber auch das stärkere Medikament Zoledronsäure verhindert die Entwicklung von Knochenkomplikationen. Die meisten Patienten mit multiplem Myelom müssen diese Medikamente als Teil ihrer Behandlung ein Leben lang einnehmen. Patienten, die Zoledronsäure nicht vertragen oder deren Nierenfunktion schlecht ist, kann der Arzt alternativ Denosumab verabreichen.

Behandlung mit Interferon

Unter Alpha-Interferon versteht man einen körpereigenen Wirkstoff, der auf die Zellen des Immunsystems einwirkt. Er hemmt unter anderem die Vermehrung von Plasmazellen. Der Einsatz von Interferon empfiehlt sich insbesondere bei denjenigen Patienten, bei denen die Chemotherapie zu einer Remission oder zumindest zu einer Stabilisierung des Krankheitsbildes geführt hat. Das betrifft speziell Patienten mit Hochdosis-Therapie und Stammzellentransplantation. Das Ziel der Interferon-Therapie ist die Erhaltung der durch Chemotherapie erzielten Remission.

Knochenverlust verhindern

Um den Knochenverlust zu verringern werden Patienten dazu ermutigt, Kalzium und Vitamin D einzunehmen. Dies gilt aber nur, sofern der Kalziumgehalt im Blut nicht zu hoch ist. Außerdem werden sie zu einem aktiveren Leben ermutigt, da dies Knochenschwund vorbeugt. Denn eine längere Bettruhe fördert den Knochenschwund und macht die Knochen für Brüche anfälliger. Die meisten Patienten mit einem multiplen Myelom können ein normales Leben mit den meisten Aktivitäten führen.

Behandlung mit Bisphosphonaten

Häufig leiden Patienten mit einem multiplen Myelom an Knochenschmerzen, vor allem im Bereich der Wirbelsäule und der Rippen. Die Knochenschmerzen werden durch die Zerstörung von Knochenmaterial verursacht, welches wiederum durch die Myelom-Zellen angeregt wird. Bisphosphonate gehören zur Standardtherapie beim Multiplen Myelom und können den knochenzerstörenden Prozess aufhalten.

Grundsätzlich sind Bisphosphonate sichere Medikamente. Allerdings können sie grippeähnliche Symptome erzeugen und bei den ersten Anwendungen vorübergehend sogar die Knochenschmerzen verstärken. Wenn Bisphosphonate zu schnell infundiert bzw. eingebracht werden, können sie Nierenprobleme verursachen.

Plasmaaustausch

Wenn man große Mengen an Flüssigkeit trinkt, verdünnt das den Urin und verhindert ein Austrocknen, welches das Risiko eines Nierenversagens erhöht. Daher können Patienten, die an Nierenproblemen leiden, von einem Plasmaaustausch profitieren.

Behandlung von Begleitsymptomen

Bei Anzeichen einer Infektion, etwa Fieber, Schüttelfrost, Husten mit Auswurf oder Hautrötungen, solltest Du sofort einen Arzt aufsuchen. Dieser wird Dir gegebenenfalls Antibiotika verschreiben. Bei Patienten mit einem multiplen Myelom besteht ebenfalls die Gefahr einer Infektion mit dem Herpes-zoster-Virus. Insbesondere, wenn bestimmte Medikamente zur Behandlung von Melanomen eingesetzt werden. Dazu gehören etwa sämtliche Proteasominhibitoren (Bortezomib, Carfilzomib oder Ixazomib) oder die monoklonalen Antikörper (einschließlich Daratumumab oder Elotuzumab). Um eine Herpes-Infektion langfristig zu verhindern, kannst du ein orales antivirales Medikament namens Acyclovir einnehmen. Dieses kann auch langfristig eingenommen werden. Da bei Patienten mit einem multiplen Myelom ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht, sollten sie unbedingt Pneumokokken- und Grippeimpfstoffe erhalten.

Für Betroffene mit einer schweren Anämie kann eine Transfusion von roten Blutkörperchen nötig sein. In manchen Fällen kann die Anämie auch mit Erythropoetin oder Darbepoetin behandelt werden. Das sind Medikamente, die bei manchen Menschen die Bildung von roten Blutkörperchen anregen. Auch Eisenergänzungsmittel erweisen sich bei manchen Patienten mit einer Blutarmut als hilfreich.

Ist der Kalziumspiegel im Blut zu hoch, kann dieser mit intravenösen Flüssigkeiten behandelt werden. Häufig benötigen die betroffenen Patienten Bisphosphonat-Infusionen. Um die Kalziumwerte zu senken, kann es auch hilfreich sein, wenn Du Lebensmittel mit Vitamin D meidest.

Bei Patienten mit einer ausgedehnten Erkrankung oder einem erhöhten Harnsäurespiegel kann Allopurinol hilfreich sein. Dieses Medikament blockiert die Bildung von Harnsäure im Körper. Denn Harnsäure kann die Nieren schädigen.

Welcher Arzt behandelt ein multiples Myelom?

Für die Behandlung des multiplen Myeloms bedarf es an der Zusammenarbeit unterschiedlicher Ärzte. Generell wird die Behandlung in einer Klinik für Hämatologie und Onkologie von Fachärzten für Bluterkrankungen und Erkrankungen des lymphatischen Systems durchgeführt. Die Therapie onkologischer Erkrankungen erfolgt immer interdisziplinär. Das heißt, sie findet in Zusammenarbeit mit Ärzten verschiedener Fachrichtungen statt, dazu zählen Internisten, Strahlentherapeuten und Psychologen.

Wie sieht die Prognose bei einem multiplen Myelom aus?

Derzeit gibt es keine Heilung für ein multiples Myelom. Die meisten Patienten sprechen jedoch auf eine Behandlung an. Die Anzahl effektiver Behandlungsmethoden ist angestiegen, worauf sich auch die Überlebenschancen im Durchschnitt fast verdoppelt haben.

Die Überlebenszeit hängt jedoch von einigen bestimmten Merkmalen zum Zeitpunkt der Diagnose und dem Ansprechen auf die Behandlung ab.

Weitere wichtige Merkmale sind:

  • Erkrankungen der Nieren
  • Die Blutkonzentration bestimmter Proteine, einschließlich Beta2-Mikroglobulin, Serumalbumin und Laktatdehydrogenase (LDH)
  • Genetische Merkmale in den krebsartigen Plasmazellen, mitsamt spezifischer Chromosomenanomalien und Genveränderungen

Neuere Medikamente ermöglichen es, dass Patienten mit multiplem Myelom nun länger leben. Bisphosphonate als monatliche Infusion zur Verringerung der Knochenkomplikationen, Wachstumsfaktoren, die die Produktion der roten und weißen Blutkörperchen anregen, und eine angemessene Schmerztherapie haben ebenfalls die Lebensqualität der Patienten erheblich verbessert.

Gelegentlich entwickeln Menschen, deren multiples Myelom vor vielen Jahren erfolgreich behandelt wurde, eine Leukämie. Oder es zeigt sich ein irreversibler Verlust der Funktion des Knochenmarks. Die Ursache für diese Spätkomplikationen könnte die Chemotherapie sein und sie führen oft zu schwerer Anämie und einem erhöhten Infektionsrisiko.

Da das multiple Myelom letztendlich tödlich ist, kommen Patienten mit multiplem Myelom wahrscheinlich Gespräche über die Versorgung im Endstadium zugute. An denen können sich auch die Ärzte und die Familie und Freunde des Patienten beteiligen. Zu den Gesprächspunkten können Behandlungsanweisungen, die Verwendung von Magensonden und Maßnahmen zur Schmerzlinderung gehören.

Wie hoch ist die Überlebenschance bei einem multiplen Myelom?

Jährlich werden rund 3.600 Neuerkrankungsfälle bei Männern und ungefähr 2.900 Neuerkrankungsfälle bei Frauen in Deutschland diagnostiziert. Die absolute Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt bei Männern bei 41 Prozent und bei Frauen bei 40 Prozent. Die relative Fünf-Jahres-Überlebensrate, die auch die Sterblichkeit in der allgemeinen Bevölkerung berücksichtigt, liegt bei Männern bei 48 Prozent und bei Frauen bei 45 Prozent. Die relative Zehn-Jahres-Überlebensrate liegt bei Männern bei 31 Prozent und bei Frauen bei 30 Prozent.

Die altersstandardisierten Erkrankungsraten sowie die Sterberaten sind seit Jahren weitgehend konstant. Die epidemiologischen Daten aus Deutschland stimmen mit jenen aus der Schweiz und Österreich weitgehend überein.

Wie lange kann man mit einem multiplen Myelom leben?

Die Prognose mit relativen Fünf-Jahres Überlebensraten von 45 Prozent bei Frauen und 48 Prozent bei Männern ist eher ungünstig. Die Erkrankung gilt als unheilbar, weshalb mit einer dauerhaften Heilung in der Regel nicht zu rechnen ist. Allerdings kann die Krankheit relativ lange symptomarm verlaufen. Unter Therapie sind vorübergehende Remissionen möglich.

Welche Risikofaktoren für ein multiples Myelom gibt es?

Was die genaue Ursache von multiplen Myelomen ist, ist bislang noch unbekannt. Allerdings können gewisse Faktoren das Erkrankungsrisiko erhöhen. Beispielsweise bestimmte Gifte, wie etwa Asbest und Pestizide. Auch eine ionisierende Strahlung in sehr hohen Dosen, etwa bei einem Atomunfall, erhöht das Risiko zu erkranken. Menschen, die an MGUS erkrankt sind oder an starkem Übergewicht leiden, haben ebenfalls ein höheres Risiko an einem multiplen Myelom zu erkranken. Weitere Faktoren sind das Alter, Geschlecht, Herkunft und in seltenen Fällen die erbliche Veranlagung.

Wie kann man ein multiples Myelom vorbeugen?

Die Ursachen für die Entstehung des multiplen Myeloms sind noch weitgehend unklar. Die monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) gilt als Vorstufe des multiplen Myeloms. Ein fortgeschrittenes Alter, männliches Geschlecht, afrikanische Abstammung und eine familiäre Häufung gelten ebenfalls als weitere anerkannte Risikofaktoren für ein multiples Myelom.

Aber auch chronische Infektionen, wie eine Hepatitis-C-Virusinfektion oder eine HIV-Infektion, werden ebenfalls mit einem erhöhten Risiko für ein multiples Myelom in Zusammenhang gebracht. Auch starkes Übergewicht gilt laut neueren Studiendaten als Risikofaktor für ein multiples Myelom, ist aber noch nicht sicher belegt.

Es wird ebenfalls diskutiert, ob bestimmte Lebensgewohnheiten, eine Belastung mit Umweltgiften oder eine Strahlenbelastung das Risiko, an einem multiplen Myelom zu erkranken, erhöhen. Zum Beispiel wird bei intensivem Kontakt mit Benzol oder Benzolderivaten im Beruf das multiple Myelom unter bestimmten Bedingungen als Berufskrankheit anerkannt.

Wie sieht die Nachsorge bei einem multiplen Myelom aus?

Die Nachsorgeuntersuchungen beim multiplen Myelom dienen dazu, ein Fortschreiten der Krankheit frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Daher erfolgen im Anschluss an die Therapie regelmäßige Kontrollen beim Arzt. Die Nachsorgeuntersuchungen bestehen in der Regel aus einer körperlichen Untersuchung, Blutwertkontrollen und bildgebenden Verfahren. Zudem kann es sein, dass der Arzt die Knochendichte in Lendenwirbel- oder Oberschenkelknochen untersucht. dadurch kann er die Qualität und Quantität eines Knochenabbaus beurteilen. Wie häufig die Verlaufsuntersuchungen stattfinden, hängt von der Art der vorausgegangenen Behandlung und der Aktivität der Erkrankung ab. Im Normalfall sollten diese im Abstand von etwa drei bis sechs Monaten erfolgen.

Speziell nach intensiven Therapiemaßnahmen, z.B. einer Hochdosis-Chemotherapie, ist eine ambulante oder stationäre Rehabilitationsmaßnahme sinnvoll.