18. April 2023 | Dieser Text wurde nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von MedizinerInnen geprüft.

Krebserkrankung

Autor

OA Dr. med. Ercan Müldür

Medizinischer Experte

CO-AUTOR

Alexandra Musalek

Online-Redaktion

Den Begriff Krebs haben wir alle schon vielmals gehört, er erregt ein Bild des Schreckens in den meisten von uns. Was wir wissen, ist, dass Krebs oft böse ausgehen kann, dass die Therapie langwierig und nebenwirkungsreich sein kann und häufig nicht den Erfolg bringt, den Betroffene erhoffen. Was wir oftmals nicht so genau wissen, ist, was Krebs eigentlich genau ist, wie dieser entsteht und wie verschiedene Therapien ansetzen, um die Krankheit in den Griff zu bekommen. Das wichtigste zum Thema Krebs, ließt du hier.

Was versteht man in der Medizin unter Krebs?

Der Begriff Krebs umfasst im Allgemeinen Krankheitsbilder, bei denen es zu bösartigen Veränderungen der Zellen kommt, zu anormalen Vergrößerungen, Wucherungen oder Neubildungen von körpereigenem Gewebe. Man spricht auch von einem Malignom. Dabei vermehren sich Tumorzellen in einer Krebsgeschwulst unkontrolliert, wachsen in benachbartes, gesundes Gewebe ein, können dieses schädigen oder zerstören und bilden Tochtergeschwülste aus, sogenannte Metastasen. Von unkontrolliertem Wachstum spricht man deshalb, weil diese Zellen nichtmehr auf die Signale vom Körper, die die Zellvermehrung in gesunden Zellen steuern (etwa über Hormone), reagieren und auch vom Immunsystem nichtmehr gehemmt werden können. Krebsarten gibt es sehr viele und alle unterscheiden sich in ihrer Lokalität, Aggressivität, Symptomatik, Behandlung und Prognose. Allen Krebsarten gemein, ist, dass sie unbehandelt bei den meisten Betroffenen fortschreiten und zum Tode führen kann.

Wann spricht man von einer bösartig veränderten Zelle?

Jede Zelle des Körpers befindet sich abwechselnd in den verschiedenen Phasen des Wachstums, der Zellteilung und der Ruhe. Diese Abfolge an Stadien wird als Zellzyklus bezeichnet und dient der ständigen Erneuerung von Gewebe. Normalerweise ist der Ablauf des Zellzyklus streng geregelt. In gesunden Zellen finden nur so viele Zellteilungen statt, wie für den Erhalt und die Funktion des jeweiligen Gewebes notwendig sind. Krebszellen können diesen normalen Kontrollmechanismen auf unterschiedliche Weise umgehen. Sie beginnen, sich mehr als normal – und funktional – zu vermehren, und können unkontrolliert und überschießend wachsen – ein Tumor entsteht. Krebszellen eignen sich zudem neue Eigenschaften an, die in gesunden Zellen nicht vorhanden sind. Beispielsweise ist die Anzahl der möglichen Zellteilungen normalerweise stark begrenzt begrenzt – hat die Zelle ein gewisses „Alter“ erreicht, stirbt sie ab. Krebszellen können sich dieser Regulation entziehen und sich unbegrenzt oft teilen. Durch die schnellen Zellteilungen sind Krebszellen meist nicht voll ausdifferenziert, das heißt, sie sind unreif und können die eigentliche Funktion des Gewebes, aus dem sie entstehen, nicht erfüllen. Wie sehr sich die Zellen des Tumors von den gesunden Zellen des jeweiligen Gewebes unterscheiden (Differenzierungsgrad), kann Aufschluss über das Verhalten des Tumors geben und wird als Grading angegeben.

Was sind Metastasen?

Normalerweise können Zellen außerhalb des Gewebes, zu dem sie gehören, nicht überleben. Sie sterben ab, wenn sie den Kontakt zu ihren Nachbarzellen verlieren, oder werden vom Immunsystem erkannt und bekämpft, sobald sie in die Blut- oder Lymphbahn gelangen. Krebszellen können sich auch diesen Mechanismen entziehen: Sie sind in der Lage, sich vom eigentlichen Tumor (sogenannter Primärtumor) abzulösen. In weiterer Folge können sie Blut- oder Lymphgefäße durchdringen und auf diese Weise an jeden Ort des Körpers gelangen. So können sie sich in anderen Organen oder Geweben ansiedeln, sich dort vermehren und zur Ausbildung einer Tochtergeschwulst (Metastase) führen. Metastasen sind also nicht zusätzliche Tumorerkrankungen, sondern bestehen aus den gleichen Zellen wie der Primärtumor.

Nicht jeder Tumor führt automatisch zur Metastasenbildung. Eine Krebszelle muss sich bestimmte Eigenschaften aneignen, um sich vom Tumor abzulösen, vom Immunsystem unbemerkt durch den Körper „wandern“ zu können und sich außerhalb ihres Ursprungsgewebes anzusiedeln. Wie hoch das Risiko für die Bildung von Metastasen ist, kann häufig durch eine feingewebliche (histologische) Untersuchung der Tumorzellen festgestellt werden.

Metastasen sind der Grund dafür, warum bei Krebserkrankungen häufig im Anschluss an die operative Entfernung eine weitere Therapie (z.B. Chemotherapie) angeschlossen wird, auch wenn der Patient als tumorfrei gilt. Ziel ist es, eventuell bereits im Körper verstreute, aber nicht sichtbare Krebszellen zu vernichten und die Bildung von Metastasen zu verhindern.

Welche Ursachen führen zu einer Krebserkrankung?

Die Entstehung von Krebs ist ein komplexer Prozess, dem zahlreiche Ursachen zugrunde liegen können. Viele molekulargenetischen Details sind heute aufgeklärt und viele auch noch nicht. Bekannt ist, dass es zu Schädigungen des Erbmaterials (DNA) der Zellen kommt, wodurch irreparable Schäden (Mutationen) in bestimmten Arten von Genen entstehen.

Dabei sind vor allem zwei Gruppen von Genen von Bedeutung, die dementsprechend bezeichnet werden: sogenannte Krebsgene (Onkogene) und tumorunterdrückende Gene (Tumorsuppressorgene). Diese Gene kommen in allen gesunden Körperzellen vor und regulieren das Zellwachstum und die Zellreifung (Differenzierung). Onkogene fördern das Wachstum der Zellen, während Tumorsuppressorgene es unterdrücken. Kommt es zu Schädigungen in einer der beiden Gengruppen, gerät dieses System aus dem Gleichgewicht. Die Zelle benötigt dann keine Befehle von außen mehr, um sich zu teilen, gleichzeitig reagiert sie auch nicht mehr auf unterschiedliche wachstumshemmende Signale. Sie kann sich über das normale Maß hinaus teilen und vermehren, es entsteht ein Tumor.

Viele genetische Schäden können über ein körpereigenes Reparatursystem behoben werden, jedoch eben nicht alle. Gleichzeitig kann es unter bestimmten Umständen auch zu einer Schädigung dieses Reparatursystems kommen, wodurch Fehler in der DNA nicht mehr beseitigt werden und sich anhäufen. Krebs entsteht, wenn sich zahlreiche Mutationen in einer Zelle anhäufen und alle Sicherungssysteme ausgefallen sind, die gesunde Zelle wandelt sich Schritt für Schritt in eine Krebszelle um.

Wie kommt es zu derartigen Schädigungen der DNA?

Die Erbinformation einer gesunden Zelle kann auf unterschiedliche Weise geschädigt werden. Stoffe, die in der Lage sind, Krebs auszulösen, werden als Kanzerogene bezeichnet. Dazu zählen unter anderem:
Chemische Substanzen: Der am meisten verbreitete Vertreter dieser Gruppe ist der Tabakrauch. Dieser enthält eine Vielzahl chemischer Verbindungen, die erwiesenermaßen Krebs auslösen. Auch bestimmte Substanzen in Nahrungsmitteln (z.B. Nitrosamine) oder Schimmelpilzgifte (Aflatoxine) gehören zu den krebserregenden Substanzen.

Viren: Einige Virusinfektionen gehen mit einem erhöhten Risiko für bestimmte Krebserkrankungen einher. So kann etwa das humane Papillomavirus (HPV) an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs beteiligt sein.

Strahlen: Die energiereichen Strahlen der Sonne (UV-Strahlen) können die Erbinformation der Haut schädigen und zu Hautkrebs führen. Ein weiteres Beispiel ist radioaktive Strahlung, die etwa mit einem erhöhten Risiko für Leukämie einhergeht.

Alkohol: Auch Alkohol und seine Stoffwechselprodukte können krebsauslösend wirken, ein Zusammenhang besteht unter anderem mit Leber- und Speiseröhrenkrebs.

Auch falsche Ernährung, körperliche Inaktivität oder Übergewicht können das Risiko für Krebs erhöhen. Wie genau die einzelnen Gruppen krebsauslösend auf die Zellen wirken, ist noch nicht vollständig geklärt.

Fehler in der DNA können darüber hinaus auch „zufällig“ entstehen. Bei jeder Zellteilung muss das gesamte genetische Material verdoppelt und auf zwei Tochterzellen aufgeteilt werden, wobei es zu Kopierfehlern kommen kann.

Ist Krebs vererbbar?

Eine Krebserkrankung selbst kann nicht vererbt werden, aber die Veranlagung dazu. Für einige Krebsarten kennt man den genauen Gendefekt, der die Krankheit auslöst. Erbt man diesen von einem Elternteil, geht dies mit einem erhöhten Risiko für die jeweilige Krebsart einher. Dies gilt etwa für Dickdarm-, Brust- oder Eierstockkrebs. Allerdings muss die Weitergabe des Gendefekts nicht zwangsläufig zur Tumorentstehung führen. Für jedes Gen gibt es im Körper eine zweite Sicherheitskopie – erst wenn auch diese geschädigt wird, bricht die Krankheit aus.

Wie wird Krebs behandelt?

Die Kenntnis über die genauen Mechanismen, die zur Krebsentstehung beitragen, haben die therapeutischen Möglichkeiten in den letzten Jahren erheblich verbessert. In viele der zellulären Vorgänge in Tumoren lässt sich mit unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten eingreifen und eine Hemmung des Tumorwachstums bewirken. Je nach Charakteristiken des Tumors und des Patienten, werden folgende Behandlungen am häufigsten angewendet:

Operation:

Wenn möglich, ist die Operation häufig die erste Behandlungsmethode, die erwogen wird. Ziel ist die vollständige Entfernung des Tumors bzw. der krankhaft veränderten Zellen bei einem Carcinoma in situ. Im Rahmen der Operation werden nicht nur die entarteten Zellen entfernt, sondern auch gesundes Gewebe um den Tumor herum. Bei einigen Krebsarten, wie Brust- und Hautkrebs bestehen sehr gute Heilungschancen, nach der operativen Entfernung des Krebsgewebes.

Strahlentherapie (Radiotherapie)

Bei der Radiotherapie wird energiereiche, radioaktive Strahlung genutzt, um Krebszellen gezielt zu zerstören. Bestrahlt wird dabei die gesamte Brust, wobei die Tumorstelle eine zusätzliche Strahlendosis erhält. Durch die Verbesserung der Strahlentherapie in den vergangenen Jahren ist es heute möglich, das umliegende Gewebe weitgehend zu schonen und somit Nebenwirkungen zu reduzieren.

Chemotherapie

Chemotherapeutika, auch Zytostatika genannt, sind Medikamente, welche Zellen, die sich schnell teilen – wie das bei Krebszellen der Fall ist – ausfindig machen und gezielt abtöten sollen, indem sie in den Vermehrungszyklus der Krebszellen eingreifen.

Stammzelltransplantation

In manchen Fällen von Leukämie, also Blutkrebs oder Lymphomen, kommt es vor, dass alle zuvor genannten Behandlungsansätze nicht ausreichen, die Erkrankung in den Griff zu bekommen. Für diese Patienten kann eine Knochenmark- oder Blutstammzellspende lebensrettend sein.

Wie ist die Prognose bei einer Krebserkrankung?

Die Prognose für eine Krebserkrankung schwankt sehr stark, abhängig von der Art des Krebses und des Stadiums, in welchem der Krebs entdeckt wurde. Für weißen Hautkrebs, Hodenkrebs, schwarzen Hautkrebs, Schilddrüsenkrebs, Prostatakrebs und Gebärmutterhalskrebs gibt es generell recht gute Heilungschancen, wenn rechtzeitig mit der Therapie begonnen wird. Andere Krebsarten wie Lungenkrebs, Brustkrebs und Darmkrebs fordern deutlich mehr Menschenleben und auch die Therapie gestaltet sich oft langwierig und belastend.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten für eine Krebsbehandlung?

Die Krankenkassen übernehmen in der Regel alle Kosten, die mit der Genesung von der Krebserkrankungen einhergehen. Dazu gehören die Diagnosestellung, die Therapie und die Nachbehandlung, also die erforderlichen Medikamente und Rehabilitationsmaßnahmen nach Abschluss der Therapie. Ähnliches gilt auch für Vorsorgeuntersuchungen, die dazu dienen sollen, eine mögliche Krebserkrankung früh zu erkennen und somit die Chancen auf Heilung zu erhöhen.

Patienten haben auch dann das Recht auf die Kostenübernahme, wenn die Prognose schlecht ist. Das Sozialgesetzbuch schreibt dabei vor, dass die Maßnahmen „ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich“ sein müsse und das „Maß des Notwendigen“ nicht überschreiten dürfen. Das betrifft nicht nur die Behandlung als solche, sondern auch die Wahl des Arztes.