18. April 2023 | Dieser Text wurde nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von MedizinerInnen geprüft.

Pflege von Haut und Haar bei Krebs

Autor

OA Dr. med. Ercan Müldür

Medizinischer Experte

CO-AUTOR

Alexandra Musalek

Online-Redaktion

Sich wohlzufühlen in seiner Haut ist ein Grundbedürfnis und beeinflusst maßgeblich, wie wir den Tag bestreiten, möglichen Hürden entgegentreten und wie wir uns selbst innerhalb unserer komplexen sozialen Umwelt positionieren. Auch bei einer Krebserkrankung möchte man auf ein Gefühl von Wohlbefinden und Schönheit an einem selbst, nicht verzichten. Schön sein. Sich im eigenen Körper wohlfühlen.

Warum ist eine spezielle Pflege erforderlich?

Eine Krebstherapie verläuft leider nur äußerst selten nebenwirkungsfrei. Auch, wenn Haare natürlich nachwachsen, werden sie sowohl bei Chemo-, Strahlen- und einer Hormontherapie aber auch bei einer Operation, häufig erstmal in Mitleidenschaft gezogen. Auch die Haut leidet meist mit, da ihre Zellen und Haarzellen einige wichtige Eigenschaften teilen, die sie anfällig für die Krebsintervention machen. Eine Chemotherapie etwa zielt darauf ab, schnell wachsende Zellen abzutöten und eine Zellteilung zu verhindern. So kann das Wachstum eines Tumors gebremst werden. Da sich Haut- und Schleimhautzellen aber ebenfalls rasch erneuern, greifen die Medikamente meist auch dort an. Sogar eine Strahlentherapie sowie neue, zielgerichtete Therapien können, wenn auch in etwas geringerem Maße, mit unangenehmen Hautnebenwirkungen einhergehen. So werden Betroffene anfälliger gegenüber Hautinfektionen (ausgelöst etwa durch Pilze oder Herpes-Viren). Die Haut juckt, spannt oder kribbelt und ist empfindlicher gegen Sonnenlicht. Bei manchen Patienten können Hautrötungen und Schuppen auftreten, manchmal auch Pigmentflecken.

Richtige Haar- und Hautpflege bei einer Krebserkrankung

Wasche dir während der Therapie die Haare hauptsächlich mit warmem (nicht heißem!) Wasser und verwende ausschließlich milde, seifenfreie Duschgels und Shampoos. Verzichte dabei auf den Einsatz rauer Lappen und steifer Bürsten wie auch auf exzessive Reinigung oder Rubbeln. Auch Vollbäder solltest du in der Zeit der Therapie vermeiden, da dies die Haut zusätzlich austrocknet. Die Wahl der richtigen Hautcreme sprichst du am besten mit deinem Arzt ab.

Apropos Creme: In den Wintermonaten solltest du besonders darauf achten, dass deine Haut nicht austrocknet. Dein Arzt hilft dir dabei, das geeignete Pflegeprodukt zu finden. Im Sommer ist es essenziell, die Haut vor dem UV-Licht der Sonne zu schützen, da manche Medikamente die Haut empfindlicher gegenüber Sonnenlicht machen. Kommt es durch eine Chemotherapie zu Haarverlust, muss die Kopfhaut mehr als sonst vor der Sonne geschützt werden, da sie meist sehr empfindlich reagiert. Empfehlenswert sind Sonnenschutzmittel mit mindestens Lichtschutzfaktor 15.

Umsicht ist insbesondere bei der Pflege von Narben gefordert. Hier gilt es, mit dem Arzt Rücksprache zu halten, vor allem, was die Reinigung von frisch operiertem Gewebe anbelangt. Auch Hautausschläge oder akneähnliche Hautveränderungen sollten in jedem Fall vom Arzt abgeklärt und nicht selbstständig behandelt werden!

Eine häufige Folge der Chemotherapie ist das sogenannte Hand-Fuß-Syndrom. Dabei kommt es zu Rötungen oder kleinen Rissen an Handflächen und Fußsohlen, die Haut wird an diesen Stellen besonders empfindlich. Vermeide also Schweiß, Druck oder Reibung an diesen Körperstellen so weit als möglich. Achte auch darauf, dass Schuhe nicht drücken und Socken aus Naturfasern sind. Vermeide am besten übermäßige Belastungen, wie lange Wanderungen oder das Heben und Tragen von schweren Lasten. Achte besonders bei Händen und Füßen auf die richtige Pflege und darauf, sodass die Haut nicht zusätzlich austrocknet. Wichtig: Sprich auf jeden Fall mit deinem Arzt, wenn du diese Symptome bei dir feststellst!

Die Pflege von Nägeln

Bei der Chemotherapie und bei sogenannten „Targeted Therapies“ (zielgerichtete Therapien) können als Nebenwirkung Verfärbungen und Veränderungen an den Fingernägeln auftreten. Oft werden die Nägel dünner und brüchiger und es kommt zu Rillenbildung. Schneide deine Nägel für die Zeit der Therapie eher kurz und achte besonders darauf, dass sie nicht einreißen. Trage bei Hausarbeiten, wie Putzen oder Abwaschen, immer Handschuhe, um Haut und Nägel zu schonen. Während der Behandlung solltest du vom Gebrauch von Nagellack absehen, denn Blick auf die Nägel verrät den behandelnden Ärzten, wie es um deine Durchblutung steht. Nach Beendigung der Therapie ist das Lackieren wieder möglich.

Wie sieht es mit Schminken und Permanent-Make-up aus?

Make-up lässt die Haut frischer und gesünder aussehen, kaschiert Blässe und Hautunreinheiten und gibt ganz allgemein einen gesünderen Teint. Viele Betroffene, allen voran Frauen, berichten, dass es ihnen hilft, wenn sie aktiv etwas für ihr Aussehen tun können.

Grundsätzlich gilt, wenn du dich auch schon vor deiner Erkrankung regelmäßig geschminkt hast, kannst du dies wie gewohnt weiter tun. Vermeide aber, nach ganz neuen Produkten zu greifen, von denen du noch nicht weiß, ob du sie verträgst. Du kannst deinen Arzt danach fragen, ob du deine bevorzugten Kosmetikprodukte weiterverwenden darfst oder auf alternative, mildere Produkte umsteigen solltest.

Vor dem Auftragen von Make-up solltest du dein Gesicht gründlich waschen. Verwende dafür eine milde Reinigungslotion und trage eine schonende Feuchtigkeitscreme unter dem Make-up auf, um deine Haut nicht zusätzlich auszutrocknen. Kleinere Narben oder Rötungen können unter Umständen mit wasserfester Spezialkosmetik (Camouflage) abgedeckt werden. Wichtig: Trage nie Kosmetikprodukte auf frische Narben oder entzündete Hautstellen auf!

Auch die Lippen können durch einige Krebstherapien austrocknen, verwende daher regelmäßig Lippenpflegeprodukte. Wenn du gerne Lippenstift trägst, solltest du auch darunter eine reichhaltige Pflege auftragen.

Wenn du durch die Therapien oft müde bist und erschöpft aussiehst, kann eine Abdeckcreme (Concealer) dabei helfen, Augenringe zu kaschieren und wacher zu wirken.
Durch eine Chemotherapie fallen neben dem Kopfhaar oft auch Wimpern und Augenbrauen aus. Dies kann den Gesichtsausdruck verändern. Sind die Augenbrauen dünner geworden, kannst du diese mit einem Brauenpuder oder einem Augenbrauenstift auffüllen. Achte darauf, eine möglichst natürliche Form und Farbe zu wählen. Ein Lidstrich kann von verloren gegangenen Wimpern ablenken und deinen Ausdruck stärker machen.

Wenn du im Schminken eher ungeübt bist oder dich aufgrund der veränderten Situation neue Anregungen holen möchtest, kannst du dir Hilfe holen und dich in diversen Kursen beraten lassen. Viele Selbsthilfegruppen halten regelmäßig Schminkkurse für Krebspatienten ab. Auch auf YouTube solltest du zu diesem Thema fündig werden.

Der Einsatz von Permanent-Make-up sollte gut überlegt sein. Bei dieser Form der Kosmetik handelt es sich um eine Art von Tätowierung. So wird beispielsweise der Wimpernkranz mit Pigmenten gefüllt, um dem Gesicht ein natürliches Aussehen zu verleihen. Diese Behandlungen dürfen allerdings nur vor Beginn oder nach Beendigung der Therapie durchgeführt werden! Lasse dich vorher von einem professionellen Anbieter beraten.

Was lässt sich zu Kleidung raten?

Ganz allgemein solltest du lockere Kleidung aus Naturfasern tragen, um die ohnehin schon beanspruchte Haut nicht zusätzlich zu belasten. Achte auf weitere Schnitte; zudem dürfen Hose, Socken und Pullover nicht einschneiden.

Mit der richtigen Kleiderwahl kannst du nach abgeschlossener Krebstherapie eventuelle Veränderungen des Körperbildes kaschieren. Dies gilt etwa bei Gewichtszu- oder -abnahme, bei Schwellungen und Lymphödemen sowie bei der Entfernung von Körperteilen, etwa der Brust. Zusätzlich eignet sich weite Kleidung nach einer Operation im Magen-Darm-Bereich zum Beispiel dann, wenn du einen künstlichen Darmausgang (Stoma) erhalten haben.

Was lässt sich bei Haarausfall tun?

Eine häufig auftretende Nebenwirkung der Chemotherapie ist Haarausfall. Dies betrifft nicht nur die Kopfhaare, sondern die gesamte Körperbehaarung. Für Außenstehende wird der Haarausfall meist erst sichtbar, wenn der Patient mehr als die Hälfte seines Haupthaares verloren hat.

Die Stärke des Haarausfalls ist von Patient zu Patient verschieden. Ausschlaggebende Faktoren sind neben Veranlagung die Wahl der eingesetzten Medikamente und deren Dosierung. Für gewöhnlich erholen sich die Haarwurzeln nach Ende der Therapie wieder und die Haare wachsen vollständig nach.

Mit Haarausfall kommen Krebspatienten unterschiedlich gut zurecht. Während sich manche Betroffenen mit dem neuen Aussehen gut arrangieren können, stellt das Leben mit einer Glatze für andere eine große Belastung dar. Trifft Letzteres auf dich zu, könntest du dir eine Perücke anfertigen lassen. Am besten, du beginnst schon vor der Therapie, dich in Ruhe nach einer passenden Perücke umzusehen. So hast du auch die Möglichkeit, dir eine Perücke anpassen zu lassen, die deinem eigenen Haarschnitt am ehesten entspricht. Wenn du die Perücke schon trägst, bevor du alle Haare verloren hast, fällt außenstehenden Personen auch meist der Unterschied weniger auf. Einige Betroffene lassen sich bereits vor Beginn der Therapie die Haare kürzer schneiden, dann fällt es oft weniger auf, wenn das Haar dünner wird. Auch das Tragen von Mützen, Tüchern oder Hüten hilft vielen, sich im Alltag wohler zu fühlen. Tücher können auf verschiedene Arten gebunden und getragen werden, sodass sie oft eine schöne Alternative zu Perücken darstellen. Im Internet findest du dazu zahlreiche Tipps und Anleitungen. Ist die Chemotherapie abgeschlossen und das Haar wieder nachgewachsen, kannst du deine Haare pflegen wie vor der Behandlung. Auch ein Friseurbesuch, eine Dauerwelle und Haarefärben sind dann wieder möglich.

Ob sich der Haarausfall während der Chemotherapie durch den Einsatz von Medikamenten oder Hilfsmitteln wie Kältehauben vermeiden lässt, ist wissenschaftlich umstritten.

Was bezahlen die Krankenkassen?

Bei krankheitsbedingtem Haarausfall – wie dies bei einer Chemotherapie der Fall ist – kannst du dir eine Perücke von deinem Arzt verordnen lassen. Diese Verordnung kannst du bei deinem Krankenversicherungsträger einreichen und bewilligen lassen und bekommst dann einen finanziellen Zuschuss, Versicherte müssen lediglich die gesetzlich vorgeschriebene Zuzahlung übernehmen. Meistens ersetzt die Krankenkasse nur eine Kunsthaarperücke, während die Kosten für eine Echthaarperücke nur in Ausnahmefällen, bei medizinischer Notwendigkeit, wie einer Allergie übernommen werden. Vor Anfertigung der Perücke solltest du dir immer einen Kostenvoranschlag erstellen lassen und dann bei deiner Krankenkasse nachfragen, bis zu welcher Höhe die Kosten übernommen werden, damit keine überraschenden Ausgaben auf dich zukommen.

Weitere kosmetische Maßnahmen, wie Make-up oder permanent Make-up werden in der Regel nicht von der Krankenkasse getragen. Bei besonders milden Shampoos und Bodylotions lohnt es sich aber, einmal deinen Arzt und bei deiner Krankenkasse zu fragen. Sollten normale Shampoos beispielsweise zu starken Irritationen der Haut führen, könnte der Arzt speziell schonende Produkte als medizinisch notwendig verschreiben.