Bauchspeicheldrüsenkrebs
Autor
OA Dr. med. Ercan Müldür
Medizinischer Experte
CO-AUTOR
Alexandra Musalek
Online-Redaktion
Eine Krebsdiagnose zu erhalten, verändert schlagartig das Leben, Angst und Hilflosigkeit sind die vorherrschenden Gefühle in dieser überrumpelnden Lebenssituation.
Es ist völlig normal, dass viele Fragen auftauchen werden. Wie geht es nun weiter? Welche Untersuchungen müssen noch gemacht werden? Welche Behandlungen kommen auf mich zu? Die nachfolgenden Informationen sollen dabei helfen, notwendige Untersuchungsschritte bei Bauchspeicheldrüsenkrebs besser zu verstehen und einen Überblick über die Behandlungsmöglichkeiten zu erhalten.
Was versteht man in der Medizin unter Bauchspeicheldrüsenkrebs?
Bauchspeicheldrüsenkrebs, von Fachleuten auch Pankreaskarzinom genannt, bezeichnet eine bösartige Umwandlung von Zellen im Bereich der Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Dabei kann das Tumorgewebe prinzipiell in jedem Bereich der Bauchspeicheldrüse auftreten, findet sich aber am häufigsten am Kopfanteil.
Da die bösartige Neubildungen der Bauchspeicheldrüse zu Beginn der Erkrankung häufig keine oder nur unspezifische Symptome auslösen, wird der Bauchspeicheldrüsenkrebs oft erst spät erkannt, was die Heilungschancen bei Diagnosestellung klein macht. Der Bauchspeicheldrüsenkrebs zählt zu den seltenen, aber dennoch bösartigsten Tumoren, die Überlebensrate ist im Vergleich zu anderen Krebsarten gering.
Welche Aufgabe hat die Bauchspeicheldrüse?
Die Bauchspeicheldrüse, das sogenannte Pankreas, hat zwei wesentliche Funktionen. Zum einen bildet es Verdauungsenzyme, die der Aufspaltung der mit der Nahrung aufgenommenen Nährstoffe dienen (exokrine Funktion). Zum anderen produziert es mit bestimmten Zellgruppen, den sogenannten Langerhans’schen Inseln, Hormone (endokrine Funktion). Der bekannteste Vertreter dieser Hormone ist das für die Blutzuckerregulation wichtige Insulin. Man unterscheidet bei der Bauchspeicheldrüse daher Tumoren des exokrinen Systems von jenen des endokrinen Systems, wobei Erstere weitaus häufiger sind und daher hier beschrieben werden.
Wie äußert sich Bauchspeicheldrüsenkrebs?
Anfangs verursacht eine Krebserkrankung wie Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) kaum Beschwerden. Die Symptome, die auftreten, sind oft uncharakteristisch.
So kann es etwa zu Schmerzen im Oberbauch kommen. Diese sind in der Regel anhaltend und dumpf und werden meist als tief empfundener Schmerz beschrieben. Auch Rückenschmerzen können auftreten, die durch die tiefe Lage der Bauchspeicheldrüse direkt über der Wirbelsäule erklärt werden können. Zudem können Übelkeit, Erbrechen sowie in weiterer Folge Appetitverlust, Gewichtsabnahme, verminderte Leistungsfähigkeit und Müdigkeit mögliche Warnzeichen sein. Eine Zuckerkrankheit kann entstehen, wenn die Bauchspeicheldrüse zu wenig oder gar kein Insulin mehr produziert. Handelt es sich um einen Tumor im Zwölffingerdarm zugewandten Bereich der Bauchspeicheldrüse (Pankreaskopf), kann zusätzlich eine Gelbfärbung der Haut (Gelbsucht bzw. Ikterus) auftreten. Auch sogenannte „Fettstühle“, also heller, schmieriger, glänzender und unangenehm riechender Stuhl, sowie Nachtschweiß und Fieber können auf eine mögliche Erkrankung der Bauchspeicheldrüse hindeuten.
Wie wird Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert? Welche Untersuchungen kommen auf mich zu?
Bei Beschwerden in der Bauchgegend wendest du dich normalerweise zunächst an deinen Hausarzt. Abhängig von deinen Symptomen, Vorgeschichte, Alter usw. wird dieser dich selbst untersuchen und entlassen oder zur weiteren Abklärung an einen Spezialisten überweisen. Nach einem ausführlichen Gespräch mit dem zuständigen Onkologen werden die ersten Untersuchungen eingeleitet. Als erster Untersuchungsschritt bei Verdacht auf Bauchspeicheldrüsenkrebs wird in der Regel eine Laboruntersuchung durchgeführt, um die Funktion der Bauchspeicheldrüse zu überprüfen und die sogenannten Tumormarker zu bestimmen. Dies sind Stoffe, die vom Tumor produziert werden und im Blut zu finden sind. Bei Bauchspeicheldrüsenkrebs spielt der Tumormarker Cancer-Antigene 19-9 (CA 19-9) eine Rolle, der allerdings nicht bei jedem Patienten mit dieser Diagnose erhöht sein muss.
Daher ist der nächste Schritt eine Ultraschalluntersuchung des Bauches. Dabei können das Pankreas und die angrenzenden Organe genauer betrachtet und nach krankhaften Veränderungen abgesucht werden. Die Untersuchung erfolgt in Rückenlage, wobei der Arzt mit dem Kopf der Ultraschallsonde deinen Bauch abfährt. Diese Untersuchung ist in der Regel völlig schmerzfrei und risikolos.
Bei verdächtigen Veränderungen der Bauchspeicheldrüse im Ultraschall wird als nächster Schritt eine endoskopische Ultraschalluntersuchung (Endosonografie) durchgeführt. Dies ist eine der aussagekräftigsten Untersuchungsmethoden für Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse. Dabei wird ähnlich einer Magenspiegelung ein dünner Schlauch durch den Mund bis in den Magen und weiter in den Zwölffingerdarm vorgeschoben. Am Ende des Schlauches befindet sich ein kleiner Ultraschallkopf, mit dem Bilder von der Bauchspeicheldrüse und ihrer Umgebung gemacht werden. Zusätzlich kann der Arzt im Rahmen dieser Untersuchung auch eine Gewebeprobe (Biopsie) entnehmen, die anschließend unter dem Mikroskop feingeweblich (histologisch) untersucht wird. Dadurch kann die Diagnose letztlich abgesichert werden. Die Untersuchung kann in leichter Narkose oder unter der Gabe von Beruhigungsmitteln durchgeführt werden, wodurch sie in der Regel nicht belastend oder schmerzhaft ist.
Ist die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs gestellt, sind meist weitere Untersuchungen notwendig, um festzustellen, in welchem Stadium der Erkrankung du dich befinden. Dafür ist es wichtig, zu wissen, wie groß der Tumor ist, wie weit er sich im Bauchraum ausgebreitet hat und ob auch andere Organe betroffen sind. Diese Schritte werden in der Medizin unter dem Begriff Staging zusammengefasst.
Zu diesem Zweck können eine Computertomografie (CT), eine Magnetresonanztomografie (MRT) sowie eine Magnetresonanz-Cholangio-Pankreatikografie, kurz MRCP, durchgeführt werden. Bei diesen Untersuchungen werden Schnittbilder des Körpers erstellt, die krankhafte Veränderungen der einzelnen Organe abbilden können.
Zu den neueren Untersuchungsverfahren zählt die Positronen-Emissions-Tomografie (PET), bei der man sich zunutze macht, dass bestimmte krankhafte Veränderungen einen höheren Zuckerstoffwechsel aufweisen. Durch Verabreichung einer speziellen Substanz in die Vene und moderne Computertechniken können diese Regionen mit erhöhtem Zuckerstoffwechsel bildlich dargestellt werden. So können eventuell vorhandene Tochtergeschwulste (Metastasen) sichtbar gemacht werden. Die Untersuchung ist im Allgemeinen mit keinerlei Unannehmlichkeiten verbunden und dauert etwa eine Stunde.
Sind alle diese Untersuchungen abgeschlossen, kann dein Arzt dir mitteilen, in welchem Stadium der Erkrankung du dich befindest und welche therapeutischen Schritte nun eingeleitet werden können.
Wie wird Bauchspeicheldrüsenkrebs behandelt?
Die beiden Hauptbehandlungen bei Bauchspeicheldrüsenkrebs sind die Operation und die Chemotherapie. In der Regel ist eine Operation die einzige Möglichkeit, den Bauchspeicheldrüsenkrebs vollständig zu heilen. Dafür muss der Tumor operativ vollständig entfernbar sein und zu dem Zeitpunkt der Operation noch nicht in andere Organe gestreut haben. Die Bauchspeicheldrüse wird dabei häufig als Ganzes entfernt, je nach Lage und Ausdehnung des Tumors kann manchmal jedoch ein Teil erhalten bleiben. Wenn angrenzende Organe befallen sind, müssen auch diese zum Teil entfernt werden, genau wie einige Lymphknoten aus der direkten Umgebung der Bauchspeicheldrüse. Letztere werden auf Krebszellen hin untersucht, was Auskunft über den Krankheitsverlauf geben kann. Sind alle Lymphknoten frei von Krebszellen, ist dies ein Hinweis darauf, dass der Tumor noch nicht gestreut hat und mittels Operation beseitigt werden konnte. In circa einem Fall aus fünf bietet sich eine Operation als Behandlungsmaßnahme an.
Meist wird die Operation kombiniert mit einer anschließenden Chemotherapie. Die zusätzliche Einnahme von Medikamenten soll die Remission verstärken.
Anders sieht es aus, wenn der Tumor bereits auf angrenzendes Gewebe gestreut hat oder aber zu groß für eine operative Entfernung ist. In diesem Fall kann die Gabe von Medikamenten das Krebswachstum in gewissem Maße verlangsamen, Schmerzen eingrenzen und damit die Lebensqualität und Lebenslänge von Patienten erhöhen, eine vollständige Heilung ist jedoch nicht wahrscheinlich. Diese Behandlung kann für Betroffene sehr belastend sein. Sie wird empfohlen, wenn dein körperlicher Zustand und individuelle Lebenssituation (etwa Alter, psychische Verfassung) dies zulässt.
Eine Operation kann vorgenommen werden, wenn dadurch tumorbedingte Beschwerden oder Funktionseinschränkungen in anderen Organen verhindert oder reduziert werden können, beispielsweise wenn ein besonders großer Tumor in der Bauchspeicheldrüse auf den Magenausgang oder den Zwölffingerdarm drückt.
Einige Betroffene sind durch Krankheit und Nebenwirkungen der Medikamente bereits geschwächt. Dann ist es oft sinnvoller, nur noch die Beschwerden zu lindern.
Andere Maßnahmen, welche Betroffenen zu mehr Lebensqualität verhelfen können, sind eine Ernährungsberatung sowie seelische Unterstützung.
Wird die Behandlung von der Krankenkasse getragen?
Die Krankenkassen übernehmen in der Regel alle Kosten, die mit der Genesung von Bauchspeicheldrüsenkrebs einhergehen. Dazu gehören die Diagnosestellung, die Therapie und die Nachbehandlung, also die erforderlichen Medikamente und Rehabilitationsmaßnahmen nach Abschluss der Therapie. Ähnliches gilt auch für Vorsorgeuntersuchungen, die dazu dienen sollen, eine mögliche Krebserkrankung früh zu erkennen und somit die Chancen auf Heilung zu erhöhen.
Patienten haben auch dann das Recht auf die Kostenübernahme, wenn die Prognose schlecht ist. Das Sozialgesetzbuch schreibt dabei vor, dass die Maßnahmen „ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich“ sein müsse und das „Maß des Notwendigen“ nicht überschreiten dürfen. Das betrifft nicht nur die Behandlung als solche, sondern auch die Wahl des Arztes.
Wie geht es jetzt weiter?
In der nächsten Zeit werden einige wichtige Entscheidungen auf dich zukommen. So müssen etwa oft Nebenwirkungen und Nutzen von einzelnen Therapien gegeneinander abgewogen werden. Vergiss dabei aber nicht, dass du mit der Diagnose nicht auf dich allein gestellt sein musst. Teile deinem Arzt diene Ängste mit – er wird dir dabei helfen, den für dich optimalen Weg zu finden.
Scheue dich zudem nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn du nicht mehr weiterweißt. Es gibt mittlerweile eine große Anzahl an Psychologen, welche sich auf das seelische Befinden bei Krebserkrankung spezialisiert haben, diese haben viel Erfahrung im Umgang mit Menschen in dieser schwierigen und überwältigenden Lebensphase. Psychoonkologen gibt es normalerweise auf der Krebsstation eines jeden Krankenhauses. Frag am besten den behandelnden Arzt danach. Auch Beratungsstellen (wie die Österreichische Krebshilfe, www.krebshilfe.net) und Selbsthilfegruppen für Betroffene können neue Perspektiven eröffnen und dir dabei helfen, den Alltag mit der Diagnose zu meistern.