18. April 2023 | Dieser Text wurde nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von MedizinerInnen geprüft.

Gebärmutterkrebs (Endometriumkarzinom)

Autor

OA Dr. med. Ercan Müldür

Medizinischer Experte

CO-AUTOR

Alexandra Musalek

Online-Redaktion

GSK
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Das Endometriumkarzinom ist das häufigste Karzinom der weiblichen Geschlechtsorgane in den Industrieländern. Es handelt sich dabei um eine bösartige Erkrankung der Gebärmutterschleimhaut. Jährlich erhalten etwa zwei von 10.000 Frauen die Diagnose Gebärmutterkrebs. Am häufigsten sind Frauen nach ihren Wechseljahren betroffen. Warnsignale, wie ungewöhnliche Blutungen aus der Scheide, sollten unbedingt ernst genommen und von einem Arzt abgeklärt werden. Bei Früherkennung des Gebärmutterkrebses, sind die Chancen auf Heilung sehr gut. Die Präzisionsmedizin zeigt sich als Gamechanger in bei gynäko-onkologische Tumoren und verspricht mithilfe von Biomarker-Tests bessere Ergebnisse für alle Krebspatienten.

Was versteht die Medizin unter Gebärmutterkrebs?

Bei Gebärmutterkrebs handelt es sich um eine bösartige Erkrankung der Schleimhaut (Endometrium) der Gebärmutter (Uterus). Die Gebärmutter ist neben der Scheide (Vagina), den Eileitern (Tuben) und Eierstöcken (Ovarien) Teil der inneren weiblichen Geschlechtsorgane. Der Uterus ist sieben bis neun Zentimeter lang und wiegt zwischen 50 und 60 Gramm. Bei schwangeren Frauen wird die Gebärmutter deutlich schwerer und schützt das ungeborene Kind. Durch die starke Muskulatur wird zudem der Geburtsvorgang unterstützt. Sie lässt sich in Gebärmutterkörper (Corpus uteri), Gebärmutterhöhle (Cavum uteri), Gebärmutterhals (Cervix uteri) und Muttermund (Portio) unterteilen. Die Innenseite ist mit der Gebärmutterschleimhaut ausgekleidet.

Welche Arten von Gebärmutterkrebs gibt es?

Es gibt unterschiedliche Arten von Gebärmutterkrebs, da der Gebärmutterkörper aus verschiedenen Gewebearten besteht. Zu den häufigsten Arten gehören das Endometriumkarzinom und das Uterussarkom.

Endometriumkarzinom

Diese Art von Gebärmutterkrebs entwickelt sich in der Schleimhaut der Gebärmutter. Etwa 90 Prozent aller Krebserkrankungen des Gebärmutterkörpers sind Endometriumkarzinome. Meist werden sie wie folgt eingestuft:

Typ I: Dieser Krebsartentyp kommt häufiger vor, spricht auf Östrogen an und ist nicht sehr aggressiv. Er kommt eher bei jüngeren oder adipösen Frauen vor. Aber auch bei Frauen, die sich in der Perimenopause befinden (die Jahre unmittelbar vor und das Jahr nach der letzten Regelblutung). Die Prognose bei Krebsarten des Typ I ist gut.

Typ II: Hier handelt es sich um einen aggressiveren Krebsartentyp, welcher meist bei älteren Frauen auftritt. Circa zehn Prozent der Endometriumkarzinome lassen sich dem Typ II zuordnen. Die Prognose bei einer Krebsart vom Typ II ist schlecht.

Uterussarkom

Bei Uterussarkomen handelt es sich um eine Krebsart, die an der Muskelwand des Gebärmutterkörpers entsteht. Etwa zehn Prozent der Krebserkrankungen des Gebärmutterkörpers sind Uterussarkome.

Welche Ursachen hat Gebärmutterkrebs?

Was die genauen Ursachen für Gebärmutterkrebs sind, ist noch nicht genau geklärt. Grundsätzlich wird zwischen dem Östrogenabhängigen Gebärmutterkörperkrebs und Östrogenunabhängigen Tumoren unterschieden.

Östrogenabhängiger Gebärmutterkörperkrebs

Diese Krebsart wird durch einen langfristigen Östrogeneinfluss begünstigt. Ob dieser Östrogeneinfluss auf natürlichem Wege erfolgt (z.B. durch einen frühen Beginn der Periode, Kinderlosigkeit, späte Menopause) oder das Östrogen von außen zugeführt wird (z.B. bei einer Hormonersatztherapie) ist dabei nicht entscheidend.

Östrogenunabhängige Tumoren

Östrogenunabhängige Tumoren entstehen ohne erkennbaren Zusammenhang mit Östrogeneinfluss. Hier ist der wichtigste Risikofaktor das Alter, denn sie betreffen vor allem ältere Frauen.
Eher selten kommt der familiäre Gebärmutterkörperkrebs vor. Dieser ist durch vererbte Mutationen in bestimmten Genen bedingt. Häufig tritt dieser Art des Endometriumkarzinoms in Familien auf, in denen auch oft Dickdarmkrebs vorkommt (Lynch- oder HNPCC-Syndrom).

Welche Symptome gibt es bei Gebärmutterkrebs?

Das häufigste und wichtigste Symptom von Gebärmutterkörperkrebs sind Blutungen aus den Geschlechtsorganen nach der Menopause. Wenn sich vor der Menopause die Stärke und Dauer der Regelblutung verändert, kann das ebenfalls ein frühes Anzeichen für Gebärmutterkrebs sein.

Zu den Spätsymptomen gehören chronische Schmerzen im unteren Bauchbereich und eine unerklärliche Gewichtsabnahme. Auch ein blutiger, blutig-eitriger oder fleischfarbener Ausfluss, der außerhalb der normalen Monatsblutung auftritt, kann Anzeichen für Gebärmutterkrebs sein.

Tritt bei Dir nach der Menopause eine Blutung aus den Geschlechtsorganen auf, solltest Du unbedingt einen Frauenarzt aufsuchen. Die oben genannten Symptome müssen zwar nicht immer gleich Krebs bedeuten, sollten aber von einem Gynäkologen abgeklärt werden.

Wie wird Gebärmutterkrebs diagnostiziert?

Treten außerhalb der Regel oder nach den Wechseljahren Blutungen aus den Geschlechtsorganen auf, ist es ratsam, sofort einen Gynäkologen aufzusuchen. Mittels einer Ultraschalluntersuchung durch die Scheide (vaginale Sonografie) kann dieser die Gebärmutter und Eierstöcke untersuchen. Der Verdacht auf ein Endometriumkarzinom liegt nahe, wenn die Gebärmutterschleimhaut bei Frauen mit Blutungen nach der Menopause dicker als fünf Millimeter ist.

Bei einer Ultraschalluntersuchung des Bauchs (abdominale Sonografie) können weitere Bereiche des kleinen Beckens, der Harnabflusswege, der Leber und Lymphknoten sichtbar gemacht werden. Anhand einer Gebärmutterspiegelung, auch Hysteroskopie genannt, kann der Gynäkologe mögliche Gewebsveränderungen erkennen.

Der Gynäkologe gewinnt eine Gewebeprobe, indem er die Schleimhaut vom Gebärmutterhals und vom Gebärmutterkörper getrennt ausschabt (fraktionierte Abrasio). Für dieses Verfahren muss der Gebärmutterhals aufgedehnt und geweitet werden, weshalb der Eingriff unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose stattfindet. Die gewonnene Schleimhaut wird ins Labor weitergeleitet und dort feingeweblich (histologisch) untersucht. Dadurch kann der Frauenarzt mögliche bösartige Veränderungen des Endometriums genau diagnostizieren. Nach dem Eingriff kann es zu leichten Nachblutungen kommen. Andere körperliche Reaktionen, etwa Fieber, kommen eher selten vor.

Wird Gebärmutterkörperkrebs tatsächlich festgestellt, kommen gegebenenfalls weitere bildgebende Verfahren infrage. Beim Endometriumkarzinom ist eine endgültige Beurteilung der örtlichen Tumorausbreitung jedoch nur im Rahmen der Operation (sogenanntes operatives Staging) möglich.

Neue Risikoklassifikation beim Endometriumkarzinom

Neue Biomarker helfen die Risikoklassifikation zu optimieren und die postoperative Nachbehandlung zu verbessern. So können jene Patienten erkannt werden, denen man eine unnötige Therapie nach einer Operation ersparen kann. Aber auch Patienten, die unbedingt eine weitere Therapie nach der OP bekommen sollten, können dadurch identifiziert werden. Dadurch wird das Risiko für ein Wiederauftreten des Endometriumkarzinoms minimiert. Durch Biomarker ist es auch möglich Patienten zu identifizieren, die von einer Immuntherapie den größten Nutzen haben.

Biomarker-Tests sind ein wichtiger Bestandteil der Präzisionsmedizin. Sie versprechen bessere Behandlungsergebnisse für alle Krebspatienten. Allerdings unterscheidet sich der Zugang zu Biomarker-Tests in Europa durchaus. Eine europaweite Studie des IQN Path, ECPC und EFPIA hat gezeigt, dass in Österreich die Voraussetzungen für Biomarker-Tests und personalisierte Therapien sehr gut sind. Somit zählt Österreich, neben Deutschland, Frankreich, Belgien, Dänemark, Schweden und Finnland, zu jenen Ländern, denen eine hohe Qualität und ausgezeichneter Zugang attestiert werden.

Welche Stadien gibt es bei Gebärmutterkrebs?

Gebärmutterkrebs wird je nachdem, wie weit sich der Tumor ausgebreitet hat und welche Gewebsschichten betroffen sind, nach der internationalen Vereinigung für Gynäkologie und Geburtskunde, in folgende Stadien eingeteilt (FIGO-Klassifikation):

Stadium I

Hier ist der Tumor auf den Gebärmutterkörper beschränkt. Bei IA ist der Tumor auf die Schleimhaut begrenzt oder dringt nicht tiefer als in die Hälfte der Muskelschicht ein. Bei IB ist die Hälfte der Muskelschicht oder sogar mehr betroffen.

Stadium II

In diesem Stadium geht der Krebs auf den Gebärmutterhals über, breitet sich jedoch nicht über die Gebärmutter hinaus aus. Hier reicht die Zellveränderung bis ins Grundgewebe des Gebärmutterhalses (Stroma).

Stadium III

Im dritten Stadium hat sich der Krebs bereits außerhalb der Gebärmutter ausgebreitet (zum Beispiel in dem Eileiter, den Eierstöcken oder der Vagina), reicht aber noch nicht über den Beckenbereich hinaus.

Stadium IV

Befinden sich die Tumorzellen bereits außerhalb des Beckens in der Blasenschleimhaut oder auch in der Schleimhaut des Mastdarms (Stadium IVA) beziehungsweise in anderen Organen und haben dort Fernmetastasen gebildet (Stadium IVB), spricht man vom vierten Stadium.

Welche Behandlungen gibt es bei Gebärmutterkrebs?

Es gibt vier verschiedene Behandlungsmöglichkeiten bei Gebärmutterkrebs: die operative Entfernung des Tumors, Strahlentherapie, Chemotherapie und die Hormontherapie. Die häufigste Therapie ist die Operation.

Die häufigste Therapie beim Gebärmutterkrebs ist die Operation.

Operation: Bauchschnitt und Bauchspiegelung

Circa dreiviertel aller Frauen mit Gebärmutterkrebs werden bereits im ersten Stadium diagnostiziert. Dadurch können mehr als 90 Prozent aller Betroffenen mit einem operativen Eingriff behandelt werden. Bei der Operation werden die Gebärmutter, die Eileiter und Eierstöcke entfernt, je nach Stadieneinteilung zusätzlich noch die Lymphknoten. Letztere sind kleine bohnenförmige Strukturen, die überall im Körper vorkommen und Immunzellen produzieren und speichern, um Infektionen zu bekämpfen. Bei einer Operation gibt es zwei Möglichkeiten: den Bauchschnitt (offene Laparotomie) oder die Bauchspiegelung (Laparoskopie). Die Bauchspiegelung ist ein minimal-invasiver Eingriff, der mit Entfernung der Gebärmutter durch die Scheide geschieht. Hierbei werden über mehrere kleine Zugänge ein Endoskop und die nur fünf bis zehn Millimeter breiten Instrumente in den Bauchraum geschoben. Eine Bauchspiegelung ist für Patienten eine schonendere Behandlungsmethode mit weniger Schmerzen und einem geringeren Blutverlust.

Bestrahlung bei Gebärmutterkrebs: Die Strahlentherapie

Bei der Strahlentherapie werden Röntgenstrahlen angewendet, die die Krebszellen abtöten und die Tumoren verkleinern. Man unterscheidet zwischen der inneren und der äußeren Strahlentherapie. Bei der äußeren Strahlentherapie (Teletherapie) bzw. perkutanen Bestrahlung, wird der Körper mithilfe einer Maschine von außen bestrahlt. Bei diesem Vorgang passiert die Strahlung auf dem Weg zum Zielgewebe auch das gesunde Gewebe und kann dies möglicherweise schädigen, was wiederum zu Nebenwirkungen führen kann. Im Rahmen der inneren Bestrahlungstherapie (Afterloadingtherapie) wird ein radioaktiv strahlendes Material (Radioisotope) durch kleine Plastikröhrchen in den Bereich eingeführt, in dem die Krebszellen gefunden wurden. Der Vorteil an diesem Verfahren ist, dass die Strahlung auf den Bereich beschränkt bleibt, den man bestrahlen möchte. Die Strahlentherapie kann allein oder vor bzw. nach einer Operation durchgeführt werden, je nach Ausdehnung der Erkrankung. Es können aber auch sowohl innere als auch äußere Strahlentherapie gemeinsam zur Anwendung kommen.

Bei den radiogenen Nebenwirkungen unterscheidet man zwischen akuten und chronischen Nebenwirkungen. Wird nur die Strahlentherapie durchgeführt, äußern sich akute Strahlennebenwirkungen vor allem an Scheide, Darm und Blase. Eher unwahrscheinlich sind Hautreaktionen und Veränderungen des Blutbildes. An der Scheide macht sich die Strahlennebenwirkung in Form von einer Rötung oder Entzündung bemerkbar. Radiogene Veränderungen an der Blase werden in Form von Schmerzen beim Wasserlassen, Blasenkrämpfen oder stündlichem nächtlichen Harndrang oder blutigem Urin oder Harnverhalt, möglicherweise verbunden mit schmerzhaften Blasenkrämpfen beobachtet. Zusätzliche bakterielle Infektionen können die radiogenen Nebenwirkungen verstärken. Es können auch Nebenwirkungen im Darmbereich auftreten, etwa Schmerzen beim Stuhlgang, Schleimabsonderungen, Blutabsonderungen und in seltenen Fällen kann es auch zu Durchfall kommen.

Unter den chronischen Nebenwirkungen sind Verengungen (Stenosen) und Fisteln die schwerwiegendsten Formen. Chronische Blasen- und Darmentzündungen können auftreten. Im Scheidenbereich kann es zu Verkürzungen und Verklebungen und Beeinträchtigungen beim Geschlechtsverkehr (Kohabitation) kommen. Sehr selten kommt es zu stärkeren Nebenwirkungen, die einen operativen Eingriff oder eine Dauerbehandlung erfordern.

Chemotherapie

Hier werden Medikamente zur Abtötung der Krebszellen eingesetzt. Die Chemotherapie kann dem Körper direkt als Infusion über eine Vene zugeführt oder in Tablettenform eingenommen werden. Da die Medikamente in den Blutkreislauf gelangen wirkt die Chemotherapie im gesamten Körper und kann so auch Krebszellen außerhalb des Unterliebs zerstören. Es ist allerdings unvermeidbar, dass auch ein Teil der gesunden Zellen mit abstirbt.

Die Nebenwirkungen bei der Chemotherapie sind je nach Medikament unterschiedlich. Zu den Symptomen gehören unter anderem Übelkeit, Erbrechen, Haarausfall, Hautprobleme, Sensibilitätsstörungen an Händen und Füßen, sowie eine Verminderung der Blutkörperchen.

Hormontherapie

Unter Hormontherapie versteht man die Nutzung von Hormonen, um Krebszellen abzutöten. Die Hormone werden in der Regel in Tablettenform eingenommen. Manche Krebsformen reagieren besonders empfindlich auf Hormone. Dies stellt man bei der feingeweblichen Untersuchung fest. Bei der Hormontherapie bei Gebärmutterkrebs kann Medroxyprogesteronazetat (MPA) oder Megestrolazetat (MGA) zu Anwendung kommen.

Bei dieser Therapieform sind die Nebenwirkungen gering. Bei älteren Patientinnen muss allerdings auf ein erhöhtes Thrombose- und Embolie-Risiko, einen erhöhten Blutzuckerspiegel und eine Veränderung des Kalziumspiegels geachtet werden. Durch die Hormontherapie wird zwar oft eine Besserung des Allgemeinbefindens und eine Schmerzlinderung bewirkt, allerdings führt sie nicht zur Heilung.

Welche Behandlungsmethode angewendet wird ist abhängig vom Stadium der Erkrankung. Im günstigsten Fall kann eine Operation ausreichen. Besteht das Risiko für eine Ausbreitung der Erkrankung ist eine Zusatzbehandlung nach dem operativen Eingriff notwendig, wobei hier die Strahlentherapie die Methode der Wahl ist. Sind die Lymphknoten von Tumoren befallen, wird nach der OP bestrahlt und das Bestrahlungsfeld auf die Regionen der Lymphknoten ausgedehnt, um die Tumorzellen-Ausbreitung an diesen Orten zu bekämpfen. Es gibt aber auch Sonderfälle, bei denen auch eine kombinierte Bestrahlung und Chemotherapie notwendig ist. Bei Risikopatienten ist eine lokale Bestrahlung der Scheide nach Entfernung der Gebärmutter ratsam.

Tritt die Krebserkrankung wieder auf, ist die Behandlungsmethode wiederum von der Ausdehnung der Erkrankung abhängig. Es kann eine wiederholte OP oder eine erneute Chemotherapie notwendig sein. Wurde ursprünglich keine adjuvante Strahlentherapie durchgeführt, dann kann dies beim Rezidiv (Wiederauftreten) erfolgen.

Es ist noch umstritten, ob bei Frauen in den Wechseljahren nach behandeltem Gebärmutterkrebs eine Hormonersatztherapie verabreicht werden sollte. Sogenannte Gestagene (Gelbkörperhormon, Progesteron) können gegeben werden. Auch eine Östrogentherapie scheint möglich, wenn ein niedriges Risiko für Metastasierung oder Rezidiv besteht.

Welcher Arzt behandelt Gebärmutterkrebs?

Es ist empfehlenswert Gebärmutterkrebs in spezialisierten Zentren behandeln zu lassen, in denen Ärzte aus den Bereichen Gynäkologie, Onkologie, Anästhesie, Pathologie, Strahlentherapie, Radiologie und Psychoonkologie zusammenarbeiten.

Wie sieht die Prognose bei Gebärmutterkrebs aus?

Die Prognose bei Gebärmutterkrebs hängt vom Stadium der Krebserkrankung, vom allgemeinen Gesundheitszustand und auch vom histologischen Tumortyp ab. Bei der Aussicht auf Heilung gibt es verschiedene
Einteilungen:

  • Grading 1: gute Prognose auf Heilung
  • Grading 2: mäßige Prognose auf Heilung
  • Grading 3: schlechteste Prognose auf Heilung

Im frühen Stadium beeinflusst auch der Rezeptorstatus, also das Ansprechen des Tumors auf weibliche Hormone, das Krebswachstum.

Wie hoch ist die Überlebenschance bei Gebärmutterkrebs?

Im Durchschnitt liegt die Fünf-Jahres-Überlebensrate aller Stadien bei 65,1 Prozent. Auf die einzelnen Stadien aufgeschlüsselt sind das:

  • 72,3 Prozent für Stadium I
  • 56,4 Prozent für Stadium II
  • 31,5 Prozent für Stadium III
  • 10,6 Prozent für Stadium IV.

Nach der OP und/oder Strahlentherapie ist die Lebensqualität im Normalfall nicht stark eingeschränkt. Bei manchen Frauen kommt es zu einem Lymphödem des Beines, welches aber mit Lymphdrainagen und Stützstrümpfen behandelt werden kann. Nur bei 0,7-8 Prozent der Fälle treten Nebenwirkungen nach der Strahlentherapie auf. Allerdings stellen die psychologische Belastung und insbesondere die Angst vor einem Wiederauftreten der Erkrankung in den ersten Jahren nach Diagnosestellung eine Einschränkung der Lebensqualität und des Leistungsvermögens dar.

Welche Risikofaktoren für Gebärmutterkrebs gibt es?
Die Ursachen von Gebärmutterkrebs sind noch nicht eindeutig geklärt. Trotzdem gibt es einige Risikofaktoren, die den Krebs begünstigen können. Vor allem ein langfristiger Östrogeneinfluss, der durch körpereigene Ursachen wie Übergewicht oder Kinderlosigkeit entstehen kann, zählt zu den Hauptursachen. Aber auch äußere Faktoren spielen eine Rolle. Beispielsweise eine alleinige Östrogenbehandlung ohne einen Gestagenausgleich. Zudem teilt sich das Endometriumkarzinom auch einige Risikofaktoren mit Brustkrebs, dass bei Patienten mit dieser Krebsform auch den häufigsten Zweittumor darstellt.

Östrogen fördert das Gewebewachstum und die schnelle Zellteilung in der Gebärmutterschleimhaut. Progesteron dient dazu, die Wirkungen des Östrogens auszugleichen. Während des Menstruationszyklus ist der Gehalt an Östrogen zeitweise hoch. Wenn man mehr Monatszyklen in seinem Leben hat, kann dies dann auch das Risiko für Gebärmutterschleimhautkrebs erhöhen. Tamoxifen ist ein Medikament, das zur Behandlung von Brustkrebs verwendet wird. Es verhindert die Wirkungen des Östrogens in der Brust, hat aber dieselben Wirkungen wie Östrogen in der Gebärmutter. Das heißt, das Medikament kann das Risiko für ein Endometriumkarzinom erhöhen. Allerdings scheint die Einnahme von oralen Verhütungsmitteln, die Östrogen und Progestin enthalten, das Risiko für ein Endometriumkarzinom zu senken.

Bei circa fünf Prozent der Frauen mit einem Endometriumkarzinom spielen die Erbanlagen eine Rolle. Etwa die Hälfte der erblich bedingten Fälle eines Endometriumkarzinoms treten bei Frauen mit einer angeborenen Form von Darmkrebs, dem sogenannten Lynch-Syndrom (hereditäres nicht-polypöses kolorektales Karzinom), oder bei Frauen mit Verwandten, die an dieser Erkrankung leiden, auf.

Die folgenden Faktoren können das Risiko für ein Endometriumkarzinom erhöhen:

  • Alter ab 50 Jahren
  • Adipositas (Übergewichtigkeit)
  • Eine Längerfristige Östrogeneinnahme ohne Gabe von Gestagen als Ausgleich
  • Tamoxifen-Therapie (bei Brustkrebs)
  • Früher Beginn der Regel und oder später einsetzende Menopause (ab 52 Jahren)
  • Kinderlosigkeit
  • Diabetes mellitus bzw. Zuckerkrankheit
  • Metabolisches Syndrom bzw. Stoffwechselstörung mit Fettleibigkeit
  • Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCO-Syndrom), eine Krankheit bei der zahlreiche Eierstockzysten vorliegen und diese zu Unfruchtbarkeit führen können
  • Brust- oder Eierstockkrebserkrankung
  • Hereditary Non-Polyposis Colorectal Cancer Syndrome (HNPCC-Syndrom), eine seltene Erbkrankheit, die zusammen mit Dickdarmkrebs auftritt

Nach heutigem Kenntnisstand spielt eine Infektion mit humanen Papillomviren (HPV), im Unterschied zum Gebärmutterhalskrebs, beim Gebärmutterkörperkrebs keine Rolle.

Wie kann man Gebärmutterkrebs vorbeugen?

Vorbeugende Maßnahmen gegen das Endometriumkarzinom gibt es derzeit nicht. Allerdings lässt sich das Risiko, an einem Endometriumkarzinom zu erkranken, jedoch senken, indem Zustände und Aktivitäten minimiert bzw. vermieden werden, die als risikofördernd gelten. Beispielsweise erhöhen Bluthochdruck und Übergewicht das Risiko eines Endometriumkarzinoms. Daher kann es hilfreich sein abzunehmen, regelmäßig Sport zu treiben und auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu achten.

In der Gebärmutterschleimhaut bilden sich häufig gutartige Wucherungen, sogenannte Polypen. Aus diesen Schleimhautwucherungen können sich Krebsvorstufen und schließlich auch Gebärmutterkrebs entwickeln. Polypen und Gewebswucherungen (Hyperplasien) werden mittels einer Ultraschalluntersuchung und Ausschabung diagnostiziert. Bei gutartigen Veränderungen können Hormonpräparate oder eine operative Verödung der gesamten Gebärmutterschleimhaut zur Behandlung herangezogen werden. Bei Patienten, die sich in den Wechseljahren befinden oder diese bereits überschritten haben, und bei denen die Erkrankung bestehen bleibt oder wiederkehrt ist es ratsam, die Gebärmutter zu entfernen.

In seltenen Fällen kann Gebärmutterkrebs auch nach einer Brustkrebsbehandlung mit dem Hormonpräparat Tamoxifen auftreten. Falls Du dieses Präparat eingenommen hast, solltest Du jährlich eine Unterleibsuntersuchung einschließlich Ultraschalluntersuchung durchführen lassen und jede Vaginalblutung außerhalb der Menstruation bei Deinem Arzt abklären lassen.

Wie sieht die Nachsorge bei Gebärmutterkrebs aus?

Nach einer Krebserkrankung werden Patientinnen regelmäßig kontrolliert. In den ersten beiden Jahren nach Erstbehandlung erfolgt die klinische Untersuchung in dreimonatigen Intervallen, um ein Wiederauftreten im Bereich des Beckens oder der Scheide auszuschließen. Dieses erneute Auftreten ist allerdings heilbar. In weiterer Folge sollte das Risiko für eine bösartige Zweiterkrankung im Bereich des Verdauungstraktes und der Brust beachtet werden. Eine zusätzliche Hilfestellung bei der Verarbeitung psychischer Probleme sollte ebenfalls erfolgen, z.B. in Form von Selbsthilfegruppen oder Psychotherapie.

Gebärmutterverlust

Grundsätzlich schränkt die Entfernung der Gebärmutter, rein körperlich gesehen, das sexuelle Empfinden der Frau nicht ein. Obwohl die Scheide etwas verkürzt werden muss, sind die für das sexuelle Lustempfinden wichtigen Bereiche, wie Klitoris, Schamlippen und Scheideneingangsbereich, genauso funktionsfähig wie vorher. Somit bleibt die Fähigkeit, einen Orgasmus zu erleben, trotzdem erhalten. Wenn Du vorher unter starken und/oder schmerzhaften Monatsblutungen gelitten hast, hast Du diese Beschwerden nach Gebärmutterentfernung nicht mehr.
Allerdings ist es für einige Frauen vor allem ein psychisches Problem, keine Gebärmutter mehr zu haben. Sie setzen unbewusst oder bewusst das Frausein mit dem Fruchtbarsein gleich und fühlen sich nach der Entfernung der Gebärmutter nicht mehr als „ganze Frau“. Eventuell sind solche Gefühle genau die Möglichkeit, das Frauenbild zu hinterfragen und offen über Deine Gefühle, Sorgen und Ängste sprechen.

Vorzeitiges Eintreten der Wechseljahre

Frauen, die vor der Behandlung noch ihre Monatsblutungen hatten, werden durch die Entfernung bzw. Bestrahlung der Eierstöcke im Rahmen der Krebsbehandlung in die Postmenopause versetzt.

Die Postmenopause ist in der Fachsprache die Lebensphase nach der letzten Monatsblutung im Leben einer Frau. In der Regel beginnt diese Phase im Alter von 52 Jahren. Natürlicherweise erfolgt die hormonelle Veränderung erfolgt über mehrere Jahre hinweg, sodass sich der Körper allmählich an die veränderten Bedingungen anpassen kann. Der Mangel an Eierstockhormonen macht sich vor allem durch Hitzewallungen und Trockenheit der Scheide bemerkbar. Auch die typischen Wechseljahresbeschwerden sind typische Folgen. Der Mangel an Östrogen kann zu Knochenentkalkung und eine Verkalkung der Herzkranzgefäße führen. Mit welchen Beschwerden zu rechnen ist, ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Sie können sowohl unterschiedlich stark ausgeprägt als auch nur wenig bis gar nicht belastend sein. Aufgrund der körperlichen und psychischen Belastung sind manche Frauen in dieser Zeit wenig an Sexualität interessiert. Ein Teil der Wechseljahresbeschwerden kann therapiert werden, ganz ohne die Gabe von Hormonen.

Beeinträchtigung des Scheidengewebes durch Bestrahlung

Eine Bestrahlung im Beckenbereich zieht häufig auch die Scheidenschleimhaut in Mitleidenschaft. Die Haut wird im Bereich der Strahlung gerötet, ähnlich wie bei einem Sonnenbrand. Das kann zur Folge haben, dass die Scheide nach der Bestrahlung einige Wochen lang sehr berührungsempfindlich ist. Die Haut ist dadurch auch leichter verletzbar, weshalb es beim Geschlechtsverkehr zu leichten Blutungen kommen kann.

Klingt die strahlenbedingte Reizung der Scheidenschleimhaut wieder ab, beginnt der Prozess der Vernarbung. Mit der Zeit kann sich die Scheide dann so stark verengen, dass Geschlechtsverkehr gar nicht mehr möglich ist. Durch eine regelmäßige Dehnung der Scheide, zum Beispiel durch die Aufrechterhaltung des Geschlechtsverkehrs oder alternativ mithilfe eines Dilatators, kann dieser Vorgang verhindert oder zumindest gemildert werden. Unter einem Dilatator versteht man einen Zylinder oder ein Röhrchen, das in die Scheide eingeführt wird, um diese allmählich zu dehnen. Diesen gibt es in verschiedenen Größen, so dass die Scheide auch Schritt für Schritt erweitert werden kann.

Es ist wichtig, dass Du bei diesen Problemen möglichst früh beginnst, um eine Vernarbung frühzeitig vorzubeugen. Wie Du den Dilatator korrekt anwendest, erklärt Dir Dein behandelnder Arzt. Bei Krebserkrankungen, die vom Plattenepithel ausgehen, können zudem lokale östrogenisierende Cremes, Zäpfchen und Salben, dabei helfen die Scheidenhaut geschmeidiger zu machen, ohne das Risiko für ein Wiederauftreten zu erhöhen.

Harninkontinenz

In einigen Fällen treten nach einer Gebärmutteroperation und/oder Bestrahlung Probleme mit dem Wasserlassen auf. Dies kann sich auf unterschiedliche Arten zeigen. Bei einigen besteht das Problem darin, dass geringe Urinmengen unkontrolliert austreten, weil die Blasenmuskulatur durch die Behandlung insbesondere Strahlentherapie beeinträchtigt sein kann. Für Betroffene kann die Angst, ungewollt Urin zu lassen, eine große Belastung darstellen. Du kannst Dir von Deinem Arzt eine krankengymnastische Behandlung mit gezielten Übungen verordnen lassen, die Du später selbständig ausführen kannst. Zudem kann Dir Dein Arzt Medikamente verschreiben, die einen gesteigerten Harndrang lindern können. In der Regel kommt es nur sehr selten zu Problemen bei der Blasenentleerung, da meist und nur in weit fortgeschrittenen Stadien der Halteapparat der Gebärmutter entfernt wird, wo durch Nerven der Blase verletzt werden können. Werden die Nerven, die für die Funktion der Blase zuständig sind, verletzt, kann es auch zu einem Harnverhalt und die Bildung von Restharn kommen. Dies führt zu einer höheren Anfälligkeit für Harnwegsinfekte und kann mitunter auch sehr schmerzhaft sein. Auch in diesem Fall können stärkende Medikamente, bestimmte Formen der Krankengymnastik (Blasentraining) oder das Erlernen der Selbstkatheterisierung helfen.

Welche Besonderheiten gibt es bei Gebärmutterkrebs?

Häufig ist die Behandlung von Gebärmutterhalskrebs mit der operativen Entfernung der Gebärmutter sowie manchmal auch der Eileiter und der Eierstöcke verbunden. Doch dieser Eingriff ist besonders einschneidend, wenn bei den Betroffenen noch ein Kinderwunsch besteht. Denn eine Schwangerschaft ist nach der kompletten operativen Entfernung nicht mehr möglich. Außerdem werden Frauen, die vor dem Eingriff noch Monatsblutungen hatten, bei Verlust der Eierstockhormone (nach Entfernung der Eierstöcke) frühzeitig in die Wechseljahre versetzt. Dies hat typische Wechseljahresbeschwerden zur Folge, beispielsweise Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Herzrasen, Verlust der Knochendichte (Osteoporose) und trockene und verletzbare Schleimhäute. Aber auch depressive Verstimmungen, Schlafstörungen und Konzentrationsprobleme können die Folge sein.

Weitere Folgen der Behandlung können eine Beeinträchtigung der Blasenfunktion (Harninkontinenz), eine Verkürzung und/oder Verengung der Scheide sowie zu Vernarbungen und Verklebungen im Bauchinnenraum sein. Dies kann zu Schmerzen im Bauch- und Rückenbereich sowie beim Geschlechtsverkehr führen.

Für viele Frauen stellen die Folgen der Krebserkrankung eine große körperliche und seelische Belastung dar. Die veränderte Sexualität sowie der Organverlust können erhebliche Auswirkungen auf Selbstverständnis, Selbstbild und Selbstwertgefühl haben. Daher dauert es eine Weile, um sich von einer solch eingreifenden Behandlung zu erholen. Ein offener und verständnisvoller Umgang mit dieser Situation ist daher sehr hilfreich, insbesondere in der Partnerschaft.  Durch das offene Gespräch und die Unterstützung durch den Partner kann trotz einer möglicherweise funktionellen Einschränkung eine liebevolle und auch sexuell befriedigende Partnerschaft sein. Daher solltest Du Dich nicht davor scheuen, wenn immer nötig auch therapeutische Hilfe oder die Unterstützung durch eine Beratungsstelle oder Selbsthilfegruppe in Anspruch zu nehmen, um Dich mit der veränderten Situation zurechtzufinden.