Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom)
Autor
OA Dr. med. Ercan Müldür
Medizinischer Experte
CO-AUTOR
Alexandra Musalek
Online-Redaktion
Jährlich erkranken in Österreich fast 700 Frauen an Eierstockkrebs, auch Ovarialkarzinom genannt. Das Ovarialkarzinom ist einer der aggressivsten Tumoren und ist die zweithäufigste bösartige Erkrankung der weiblichen Geschlechtsorgane. Der Tumor ist besonders gefährlich, da lange Zeit keine Symptome auftreten, weshalb er meist erst sehr spät entdeckt wird. Die Präzisionsmedizin erweist sich auf dem Gebiet der gynäko-onkologischen Tumoren als ein Gamechanger. Biomarker ermöglichen es, Familienangehörige zu identifizieren, die ein Erkrankungsrisiko haben. Zudem kann anhand von Biomarkern der Krankheitsverlauf besser abgeschätzt werden und ein präziserer Einsatz von zielgerichteten Medikamenten wird ermöglicht.
Was versteht die Medizin unter Eierstockkrebs?
In Fachkreisen wird Eierstockkrebs auch als Ovarialkarzinom bezeichnet. Dabei handelt es sich um bösartige Tumoren der Eierstöcke. Die Eierstöcke bzw. Ovarien gehören zu den weiblichen Geschlechtsorganen. Diese mandelförmigen Gebilde liegen im Becken rechts und links von der Gebärmutter. Jeden Monat wächst dort eine Eizelle heran, die später über den Eileiter in Richtung Gebärmutter bewegt wird. Bereits von Geburt an sind in den beiden Eierstöcken jeweils rund 400.000 unreife Eizellen angelegt. Die gezielte Reifung dieser Eizellen wird durch Hormone gesteuert. Die Eierstöcke produzieren zudem auch die Hormone Östrogen und Progesteron.
Bei Eierstockkrebs vermehren sich die Zellen der Eierstöcke unkontrolliert. Grundsätzlich gibt es sowohl gutartige als auch bösartige Tumore in den Eierstöcken. Die Gutartigen streuen ihre Zellen nicht und befallen keine weiteren Organe. Daher lassen sich gutartige Tumore auch gut entfernen. Bösartige Tumore wachsen hingegen in benachbarte Organe wie die Gebärmutter, Eileiter oder das Bauchfell hinein. Aber auch Darm, Blase, Leber oder Milz können vom Ovarialkarzinom befallen sein. Meist entstehen die Tumore der Eierstöcke im obersten Deckgewebe, was als epitheliale Tumore bezeichnet wird. In seltenen Fällen wächst Eierstockkrebs aus dem Stützgewebe. Diese werden auch Keimstrangstroma-Tumore genannt. Normalerweise muss das Ovarialkarzinom so schnell wie möglich entfernt werden. Oftmals ist zusätzlich eine Chemotherapie, in seltenen Fällen eine Bestrahlung notwendig.
Eierstockkrebs kommt eher selten vor. Circa drei Prozent aller Krebserkrankungen bei Frauen bilden sich an den Eierstöcken. Meist tritt das Ovarialkarzinom erst nach den Wechseljahren auf, meist sogar erst ab dem 60. Lebensjahr. Nur etwa jede zehnte Frau erkrankt vor ihrem 45. Lebensjahr. Zugleich ist rund jeder zehnte Eierstockkrebs erblich bedingt. Statistisch gesehen erkrankt im Laufe ihres Lebens circa eine von 68 Frauen an Eierstockkrebs.
Welche Arten von Eierstockkrebs gibt es?
Die Eierstöcke bzw. Ovarien sind Teil der weiblichen Geschlechtsorgane. Sie bestehen aus verschiedenen Zell- und Gewebearten, aus denen sich Krebszellen entwickeln können. Aus diesem Grund gibt es unterschiedliche Arten des Ovarialkarzinoms.
Epitheliale Tumoren kommen am häufigsten vor, etwa neun von zehn Tumoren gehören zu dieser Gruppe. Sie gehen von der obersten Zellschicht aus. Zu den epithelialen Tumoren zählen auch die sogenannten Borderline-Eierstocktumore. Diese können nicht klar als gut- oder bösartig eingestuft werden.
Keimstrangstromatumoren kommen deutlich seltener vor. Sie entstehen aus dem Stützgewebe.
Keimzelltumoren können bereits im sehr jungen Alter auftreten, etwa bei Kindern und jungen Frauen. Es ist eine seltene Krebsform, die aus den Eizellen entsteht, die sich im Eierstock ausbilden.
Im Bauchfell und in den Eileitern kann Krebs ebenfalls entstehen. Es handelt sich hierbei allerdings nicht um Eierstockkrebs, sondern um zwei eigene Krebsarten: Bauchfellkrebs (Peritonealkarzinom) und Eileiterkrebs (Tubenkarzinom). Diese beiden Tumorarten ähneln dem Eierstockkrebs sehr und werden daher genauso behandelt.
Es ist zudem noch wichtig zu erwähnen, dass viele Tumoren der Eierstöcke gutartig sind. Oftmals treten gerade bei jungen Frauen Zysten in den Eierstöcken auf.
Dabei handelt es sich um Hohlräume im Gewebe, die von einer Zellschicht umgeben und mit Flüssigkeit gefüllt sind. Diese Zysten können sehr groß werden, sind aber in der Regel gutartig. Es können sich aber auch bösartige Tumorabsiedlungen (Metastasen) anderer Krebsarten in den Eierstöcken ansiedeln. Sowohl gutartige Eierstocktumoren als auch Eierstock-Metastasen sind kein Eierstockkrebs und werden anders behandelt.
Welche Symptome gibt es bei Eierstockkrebs?
Im Frühstadium merken Frauen meist nicht, dass das Gewebe ihre Eierstöcke angefangen hat zu wuchern. Um die Eierstöcke herum ist genügend Platz im Beckenraum. Zudem sind die Eizellen je nach Wachstumsstadium sowieso unterschiedlich groß. Der Tumor macht sich erst bemerkbar, wenn er schon sehr groß geworden ist. Allerdings sind die Anzeichen eher unspezifisch. Mögliche Symptome von Eierstockkrebs können sein:
- Schmerzen im unteren Bauchbereich, die über mehrere Wochen anhalten
- Verdauungsbeschwerden, etwa Verstopfung oder Blähungen
- Unerklärliche Zunahme des Bauchumfangs
- Erschöpfung und Müdigkeit
- Gewichtsabnahme
- (Zwischen-) Blutungen, auch nach der Menopause
- Auffallend häufiges Wasserlassen
All diese Symptome können auch bei anderen, harmlosen Krankheiten auftreten. Wenn sich das Ovarialkarzinom bereits im Bauchraum ausgebreitet hat, sammelt sich dort oft Flüssigkeit an. Dadurch erhöht sich der Bauchumfang, aber die Waage der Betroffenen zeigt eine Gewichtsabnahme an. Wenn Du solche Anzeichen bei Dir entdeckst, solltest Du Dir ärztlichen Rat einholen.
Welche Ursachen hat Eierstockkrebs?
Die direkte Ursache für Eierstockkrebs ist bislang noch nicht genau geklärt. Das Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken, steigt mit zunehmendem Lebensalter. Daher müssen sich jüngere Frauen wenig Sorgen machen, daran zu erkranken.
Risikofaktoren für ein Ovarialkarzinom sind:
- Kinderlosigkeit
- Ein Lebensalter von mehr als 50 Jahren
- Vorherige Krebserkrankungen (Brust-, Gebärmutterschleimhaut- oder Darmkrebs)
- Eierstockkrebs bei nahen Verwandten (Mutter oder Schwester)
Zudem gibt es Hinweise, dass eine Hormonbehandlung zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden sowie ein starkes Übergewicht das Risiko erhöhen. Mehrere Schwangerschaften mit Stillzeiten sowie die Einnahme der Antibabypille scheinen das Risiko zu senken. Weshalb das so ist, ist noch ungeklärt.
Eierstockkrebs in der Familie
Ein Teil der Erkrankungen an Eierstockkrebs entsteht aufgrund einer familiären Belastung. Es handelt sich dabei um eine Genveränderung, die von Vater oder Mutter an die Töchter weitergegeben wird. Bekannte Genveränderungen sind BRCA1 und BRCA2. BRCA steht für BReat CAncer, englisch für Brustkrebs. Bei Vorliegen einer dieser Genveränderungen, steigt das Risiko an Brust- und Eierstockkrebs zu erkranken erheblich. Wahrscheinlich gibt es noch weitere Genveränderungen, die bisher noch nicht identifiziert wurden. Erkrankt eine Verwandte ersten Grades (Mutter oder Schwester) an Eierstockkrebs, kann dies auf eine familiäre Belastung hinweisen. Insbesondere, wenn die Person vor dem 50 Lebensjahr erkrankt ist. In diesem Fall ist es sinnvoll, sich in einem auf familiäre Krebserkrankungen spezialisierten Zentrum beraten zu lassen.
Wie wird Eierstockkrebs diagnostiziert?
Zu Beginn steht immer das ärztliche Gespräch. Der Gynäkologe wird Dich nach Deinen Beschwerden befragen. Außerdem möchte er wissen, ob Krebs an weiblichen Geschlechtsorganen in Deiner Familie häufiger aufgetreten ist. Bei einer Tastuntersuchung sowohl von außen über die Bauchdecke als auch von innen durch die Scheide fühlt der Frauenarzt nach Anzeichen einer Veränderung. Dabei wird auch ein Spiegel (Spekulum) verwendet, der dabei hilft die Scheide, den Muttermund und den unteren Teil des Gebärmutterhalses zu untersuchen.Bei einem vaginalen Ultraschall kann der Frauenarzt Deine Organe noch genauer sehen. Dabei führt er eine spezielle Ultraschallsonde in die Scheide ein. Es ähnelt einer gynäkologischen Untersuchung und ist schmerzfrei. In der Regel kann er damit bereits feststellen, wie groß der Tumor ist und wo er sich angesiedelt hat. Die Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT) oder Positronen-Emissions-Tomografie (PET) geben noch einen genaueren Aufschluss.
Zur Diagnosesicherung eines Ovarialkarzinoms folgt gewöhnlich eine OP. Während der Operation sieht der Arzt auch direkt, wie weit sich der Tumor ausgebreitet hat. Erst während der Operation kann der Arzt entscheiden, ob es sich um einen gut- oder bösartigen Tumor handelt. Erst bei einer Untersuchung des entnommenen Gewebes unter dem Mikroskop zeigt sich, um welche Krebszellen es sich handelt.
Tumormarker haben sich bei der Diagnose von Eierstockkrebs nicht bewährt, können aber ein Indiz dafür sein. Der Tumormarker kann nach erfolgter Therapie manchmal angeben, ob später erneut Krebszellen wachsen und es zu einem Rezidiv (Wiederauftreten) kommt.
Welche Stadien gibt es bei Eierstockkrebs?
Die Stadieneinteilung sagt aus, wie weit sich der Krebs ausgebreitet hat. Die Stadien beim Eierstockkrebs reichen von I, dem frühesten Stadium, bis IV, dem fortgeschrittenen Stadium.
- Stadium I: Hier tritt der Krebs nur in einem oder in beiden Eierstöcken (oder in den Eileitern) auf.
- Stadium II: Der Tumor hat sich auf die Gebärmutter oder nahe gelegenes Gewebe im Becken (in dem sich die inneren Geschlechtsorgane, der Mastdarm und die Blase befinden) ausgebreitet.
- Stadium III: Der Eierstockkrebs hat sich außerhalb des Beckens auf Lymphknoten und/oder andere Teile des Abdomens (wie die Oberfläche von Milz oder Leber) ausgebreitet
- Stadium IV: Der Krebs hat sich außerhalb des Beckens ausgebreitet, z.B. auf die Lunge
Welche Behandlungen gibt es bei Eierstockkrebs?
Operation
In der Regel lässt sich erst nach einer Operation feststellen, ob es sich um Eierstockkrebs handelt oder nicht. Aus diesem Grund werden fast alle Frauen mit Verdacht auf Eierstockkrebs operiert. Das Operationsteam entnimmt eine Gewebeprobe und leitet diese ans Labor weiter. Dort wird es sofort untersucht. Handelt es sich um Krebszellen, kann bereits während der gleichen OP die Ausdehnung der Erkrankung ermittelt und die befallenen Strukturen entfernt werden. Die Operation ist demnach gleichzeitig Teil der Diagnosestellung und erster Therapieschritt.
Die OP hat folgende Ziele:
- Die Diagnose zu sichern
- Das Ausmaß der Erkrankung zu bestimmen (Krankheitsstadium)
- Das Tumorgewebe möglichst vollständig zu entfernen
- Befallene Lymphknoten zu entfernen
- Beschwerden, wie Schmerzen, Verdauungsstörungen, Harnabflussstörungen, zu beheben oder zu lindern
Bildgebende Verfahren wie Ultraschall, MRT oder CT erlauben im Vorhinein meist keine genaue Aussage, wie weit die Erkrankung sich ausgebreitet hat. Daher ist es im Vorhinein schwer einzuschätzen, wie umfangreich die Operation sein wird.
Im Normalfall werden beide Eierstöcke und die Eileiter entfernt. Es kann auch je nach Situation die Entfernung weiterer Organe wie Gebärmutter, Lymphknoten, Bauchnetz, Blinddarm oder Teilen des Darms notwendig sein. Die OP findet unter Vollnarkose statt. Fachleute empfehlen einen Bauchschnitt. Zu einer Operation mit Schlüssellochtechnik wird nicht geraten. Die Schlüssellock-OP erfolgt durch einen kleinen Schnitt, über den der Eingriff mit Spezialgeräten stattfindet. Der Vorteil des Bauchschnitts ist, dass der Mediziner das Ausmaß der Erkrankung besser beurteilen kann. Ebenfalls ist bei einem Bauchschnitt die Gefahr, Tumorherde zu übersehen oder während des Eingriffs Krebszellen im Körper zu verschleppen, wesentlich geringer.
Handelt es sich bei der Operation um einen größeren Eingriff, kann es längere Zeit dauern, sich davon zu erholen. Bei umfangreichen Operationen kann es in der Folge zu Beschwerden kommen. Zum Beispiel kommen jüngere Frauen durch die Entfernung der Eierstöcke schlagartig in die Wechseljahre. Dies kommt auch mit entsprechenden Symptomen wie Hitzewallungen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen, aber auch Unfruchtbarkeit und erhöhtem Osteoporose-Risiko einher.
Wenn bei der Operation alle Krebszellen vollständig entfernt werden können, besteht auch für eine fortgeschrittene Erkrankung eine Aussicht auf Heilung.
Systemische Therapie: Chemotherapie und andere Medikamente
Nach der Operation folgt meistens eine Chemotherapie. Sie hat eine systemische Wirkung im ganzen Körper. Das Ziel der Chemotherapie ist, die Neubildung von Tumorzellen zu verhindern und damit die Heilungsaussichten zu verbessern.
Bei Frauen mit fortgeschrittenem Eierstockkrebs kommen zusätzlich zur Chemotherapie auch andere Medikamente zum Einsatz. Diese werden als zielgerichtete Therapie genannt, da sie sich gezielt gegen Tumorzellen richten und bestimmte Mechanismen in der Zellteilung oder im Zellstoffwechsel angreifen. Beispielsweise zählen dazu Antikörper oder verschiedene Hemmstoffe, die Signalwege oder Reparaturmechanismen der Krebszellen unterdrücken.
Strahlentherapie
Die Strahlentherapie spielt bei der Therapie des Ovarialkarzinoms eine untergeordnete Rolle. Bestrahlung wird gegen Tumorgewebe an klar definierten Körperstellen eingesetzt. Sie wirkt nur an der Stelle, die bestrahlt wird. Eierstockkrebs ist bei der Diagnose oftmals nicht mehr örtlich begrenzt. Daher kann eine Bestrahlung meistens nicht wirkungsvoll eingesetzt werden.
Welcher Arzt behandelt Eierstockkrebs?
Frauenkliniken und Gynäkologen mit dem Schwerpunkt gynäkologische Onkologie sind meistens sehr erfahren in der Behandlung von Eierstockkrebs. In der Regel sind sie als Gynäkologisches Krebszentrum und/oder Brustkrebszentrum zertifiziert und garantieren so eine optimale und zeitgemäße Diagnostik und Therapie.
Wie sieht die Prognose bei Eierstockkrebs aus?
Die Prognose für Patienten mit Eierstockkrebs hängt vom Stadium der Erkrankung ab. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate beträgt:
- Stadium I: 85 bis 95 Prozent
- Stadium II: 70 bis 78 Prozent
- Stadium III: 40 bis 60 Prozent
- Stadium IV: 15 bis 20 Prozent
Bei rund drei Viertel aller erkrankten Frauen wird der Eierstockkrebs erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Daher ist die Überlebenschance bei Eierstockkrebs recht niedrig. Fünf Jahre nach der Krebsdiagnose lebt nur noch jede fünfte Erkrankte. Durch neue und gezielter wirkende medikamentöse Therapieverfahren kann die Überlebenschance der Erkrankung auch in fortgeschrittenen Stadien verbessert werden. Bei rechtzeitiger Erkennung des Tumors, stehen die Chancen gut. Dann kann durch einen operativen Eingriff das ganze Krebsgewebe entfernt werden. Eine Schwangerschaft ist nach solch einem Eingriff nicht mehr möglich.
Biomarker als Hilfestellung bei der Prognose
Durch Biomarker im Tumorgewebe des Ovarialkarzinoms ist es möglich, Angehörige von Patienten zu identifizieren, die auch ein höheres Erkrankungsrisiko haben. Sogenannte „prognostische Biomarker“ helfen dabei, den Krankheitsverlauf von Patienten besser abzuschätzen und zielgerichtete Medikamente präzise einzusetzen. Dadurch wird eine wesentlich bessere Balance zwischen Nutzen und Nebenwirkungen einer Therapie erreicht.
Wie hoch ist die Überlebenschance bei Eierstockkrebs?
Derzeit liegt das relative Fünf-Jahres-Überleben bei 42 Prozent. Wird der Eierstockkrebs früh erkannt, liegen die relativen Überlebensraten im Stadium I bei 88 Prozent und im Stadium II bei 79 Prozent.
Welche Risikofaktoren für Eierstockkrebs gibt es?
Folgende Faktoren erhöhen das Risiko eines Ovarialkarzinoms:
- Der wichtige Faktor: fortgeschrittenes Alter
- Eierstockkrebs bei Verwandten ersten Grades (Mutter, Schwester, Tochter)
- Kinderlosigkeit
- Späte Erstgeburt
- Früher Menstruationsbeginn
- Spätes Einsetzen der Menopause
- Gebärmutter-, Brust- oder Dickdarmkrebs bei einem selbst oder in der Familie
Durch die Einnahme von oralen Verhütungsmitteln wird das Risiko erheblich gesenkt.
Wie kann man Eierstockkrebs vorbeugen?
Derzeit gibt es keine Maßnahmen, um Eierstockkrebs vorzubeugen. Frauen mit weniger Eisprüngen scheinen seltener Eierstockkrebs zu entwickeln. Demnach können sowohl die Einnahme der Antibabypille als auch mehrere Schwangerschaften und lange Stillzeiten das Risiko minimieren, an Eierstockkrebs zu erkranken.
Auch durch eine gesunde Lebensweise kannst du das Risiko für Eierstockkrebs senken. Dabei solltest Du auf folgendes achten:
- Vermeide es zu rauchen
- Ernähre Dich gesund
- Bewege Dich viel
- Vermeide Übergewicht
Sind in deiner Familie mehrere nahe Angehörige an Eierstock- oder Brustkrebs erkrankt, kannst Du testen lassen, ob bei Dir eine BRCA-Mutation vorliegt. Dafür wird Dein Blut untersucht. Fall sich dabei herausstellt, dass Du ein aufgrund einer BRCA-Mutation ein erhöhtes Risiko für Eierstockkrebs hast, kannst du nach abgeschlossener Familienplanung Deine Eierstöcke und Eileiter entfernen lassen. In einzelnen Fällen tritt der Krebs dann am Bauchfell auf, doch die Gefahr, an Krebs zu erkranken, sinkt dadurch trotzdem deutlich.
Wie sieht die Nachsorge bei Eierstockkrebs aus?
Nachdem Du aus dem Krankenhaus entlassen wurdest, kann eine Anschlussheilbehandlung oder eine Kur stattfinden. Diese helfen dabei, den Erholungs- und Genesungsprozess zu beschleunigen. Es gibt dafür speziell eingerichtete Nachsorgekliniken, in denen Patienten wieder zu Kräften kommen können und in denen ganz gezielt auf die jeweilige Situation eingegangen wird. Vor Ort erhältst Du auch Hilfestellung bei der Bewältigung psychischer oder sozialer Probleme.
Sind aufgrund der Therapien, wie etwa eine OP, erhebliche Beeinträchtigungen entstanden, kannst Du in den ersten Wochen nach Abschluss der Therapie eine Anschlussheilbehandlung in einer geeigneten Rehabilitationsklinik wahrnehmen. Alternativ kannst Du in den ersten zwei Jahren auch eine sogenannte Regelheilbehandlung über die gesetzliche Renten- oder Krankenversicherung beantragen.
Bei einer Rehabilitation geht es primär darum, das körperliche, seelische und soziale Wohlbefinden so weit wie möglich herzustellen. Bei Folgeschäden können Hilfestellungen gegeben werden, die Dir dabei helfen den Umgang mit Beeinträchtigungen zu erlernen und das Leben wieder selbstbestimmt führen zu können.
Nachsorge bei Tumoren
Die Tumornachsorge umfasst regelmäßige Kontrolluntersuchungen, um einen Rückfall beziehungsweise Fernmetastasen rechtzeitig zu bemerken. Bei Langzeittherapien werden Patienten nicht nur medizinisch begleitet, sondern auch psychosoziale Betreuung und Rehabilitationsmaßnahmen finden statt. Ein weiteres wichtiges Anliegen der Nachsorge ist es, bei den Patienten Ängste abzubauen und deren Lebensqualität zu verbessern.
Der behandelnde Frauenarzt bleibt auch während der Nachsorgephase ein wichtiger Ansprechpartner. Er kann bei Bedarf den Kontakt zu Psychologen, Selbsthilfegruppe oder Beratungsstellen herstellen. Des Weiteren sollen im Rahmen der Nachsorge Folgen der Erkrankung und der Therapie angesprochen werden und entsprechende Maßnahmen angeboten werden. Dazu zählen Beschwerden wie Schmerzen, Schlafstörungen, Verdauungsprobleme und sexuelle Probleme. Weiters kann auch eine Beratung zu therapieunterstützenden Maßnahmen wie Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung Teil der Nachsorge sein.
Die Art und der Umfang der Nachsorgeuntersuchungen stimmt der behandelnde Mediziner auf die die individuelle Situation ab. Zudem berücksichtigt er, wie weit der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnose bereits fortgeschritten war und welche Behandlungen durchgeführt wurden. Das Gespräch zwischen Patienten und Arzt steht bei Nachsorgeuntersuchungen immer im Mittelpunkt. Dabei werden Fragen nach dem bisherigen Verlauf der Erkrankung und nach dem körperlichen und seelischen Befinden geklärt.
In den ersten drei Jahren nach der Diagnose finden die Nachsorgetermine alle drei Monate statt. In den folgenden zwei Jahren alle sechs Monate und danach jährlich. Allerdings gilt dieser Zeitplan nur für symptomfreie Patienten. Bei Auftreten von Beschwerden oder Veränderung, sollten diese sicherheitshalber schnellstmöglich vom behandelnden Arzt abgeklärt werden.
Zu den wichtigsten Nachsorgeuntersuchungen gehören:
- Das Gespräch mit dem Arzt
- Eine gründliche und umfassende körperliche Untersuchung (gynäkologische Tastuntersuchung), einschließlich der rektalen Untersuchung (Tastuntersuchung vom Anus aus)
- Ultraschalluntersuchung von der Scheide sowie Ultraschall der Nieren
- Bei auffälligen Befunden oder Beschwerden können auch weitere Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen, eventuell auch ein CT durchgeführt werden.
Welche Besonderheiten gibt es beim Eierstockkrebs?
Spätfolgen der Behandlung
Die Behandlung von Eierstockkrebs erfolgt meist durch eine operative Entfernung von Gebärmutter sowie Eileitern und Eierstöcken. Für junge Frauen ist dieser Eingriff besonders einschneidend, wenn noch ein Kinderwunsch besteht. Denn eine Schwangerschaft ist nach der Behandlung nicht mehr möglich. Organerhaltende Operationen sind in bestimmten Fällen möglich, etwa bei kleinen Tumoren und im frühen Stadium der Erkrankung. Dadurch ist es nach der Behandlung noch möglich, ein Kind zu gebären.
Vorzeitiges Eintreten der Wechseljahre
Bei einer operativen Entfernung von Gebärmutter, Eileitern und Eierstöcken kommt es zu einem Verlust der Eierstockhormone. Frauen, die vor dem Eingriff noch eine Monatsblutung hatten, werden dadurch frühzeitig in die Wechseljahre bzw. Menopause versetzt. Dies hat typische Wechseljahrbeschwerden zur Folge. In der Fachsprache versteht man unter Menopause den Zeitpunkt, an dem die Monatsblutung zum letzten Mal auftritt. Das geschieht normalerweise etwa in der Mitte der Wechseljahre, also etwa im Alter von 52 Jahren.
Durch den Verlust der Eierstockhormone kommt es zu Hitzewallungen und Trockenheit der Scheide. Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme, Schlafstörungen und eine Neigung zu Schweißausbrüchen sind ebenfalls typische Wechseljahresbeschwerden. Die Folgen des Östrogenmangels sind ein erhöhtes Risiko für vermehrte Knochenentkalkung (Osteoporose). Die Beschwerden unterscheiden sich von Frau zu Frau sehr und sind unterschiedlich stark ausgeprägt.
Die Einnahme von Medikamenten oder Anwendung von Hormonpräparaten (Gele, Pflaster, Pillen, Spritzen oder Vaginalcremes) kann den Beschwerden und negativen körperlichen Folgen des Östrogenmangels entgegenwirken. Manchmal raten Ärzte von Hormonpräparaten ab, da der Tumorwachstum durch Hormone gefördert werden kann. In diesem Fall gibt es andere Mittel ohne hormonelle Wirkung. Bei Scheidentrockenheit können beispielsweise Gleitcremes Abhilfe schaffen.
Außerdem kann es infolge der Behandlung zu Vernarbungen und Verklebungen im Bauchinnenraum kommen. Folglich kann es zu Schmerzen im Bauch- und Rückenbereich sowie beim Geschlechtsverkehr kommen.
Nebenwirkungen
Die Nebenwirkungen nach einer Chemotherapie können manchmal noch über Wochen, selten auch über Monate anhalten. Typische Nebenwirkungen einer Chemotherapie sind Gefühlsstörungen an den Füßen und Händen oder Konzentrationsschwäche und Abgeschlagenheit.
Fatigue und Erschöpfungssyndrom
Manchmal kommt es bei den Betroffenen zu einem Fatigue oder Erschöpfungssyndrom. Dieses hat oft mehrere Ursachen. Einerseits ist es die seelische und körperliche Belastung durch die Erkrankung, andererseits ist es durch die die Anstrengungen der Therapie bedingt. Eine gezielte Anleitung zu Ausdauer- und Krafttraining kann hier entgegenwirken. Krebspatienten haben Anspruch auf ein Bewegungsrezept. Eine Krankengymnastik wird von den Krankenkassen erstattet und in vielen Fällen wird ein Training in einem Fitnessstudie anteilig übernommen.
Organverlust und Sexualität
Bei einem sehr stark fortgeschrittenen Ovarialkarzinom kann es in sehr seltenen Fällen notwendig sein, auch Nachbarorgane wie Harnblase, Teile vom Darm und Scheide zu entfernen. Eine derartige Operation ist sehr einschneidend. Durch diesen operativen Eingriff ist es manchmal nötig, künstliche Ausscheidungswege zu schaffen. Beispielsweise für den Stuhlgang (Kolostoma) und/oder für den Urin (Urostoma). Die Scheide kann durch eine Transplantation (Verpflanzung) von Haut- oder Haut-Muskelteilen von anderen Körperstellen wieder aufgebaut werden. Obwohl es nicht leicht ist mit einer derartigen Belastung zurechtzukommen, können Frauen im Laufe der Zeit wieder sexuelles Vergnügen empfinden. Denn die wichtigen Lustspender Klitoris und Schamlippen sind bei der OP nicht betroffen.
Für viele Frauen stellen die Folgen der Krebserkrankung eine große körperliche und seelische Belastung dar. Der Verlust des Organs und die Auswirkungen auf die Sexualität können erhebliche Auswirkungen auf Selbstverständnis und Selbstwertgefühl haben. Ein offenes Gespräch und die Unterstützung durch den eigenen Partner können einen wesentlichen Beitrag leisten, dass trotz der Umstände noch weiterhin eine liebevolle und auch sexuell befriedigende Partnerschaft möglich ist. Auch therapeutische Gespräche, die Unterstützung durch eine Beratungsstelle oder Selbsthilfegruppe können Dir dabei helfen, Dich mit der veränderten Situation zurechtzufinden.
Harninkontinenz
Selten kommt es nach einem operativen Eingriff bei Eierstockkrebs zu Problemen mit dem Wasserlassen. Bei manchen Frauen kommt es zu einem unkontrollierten austreten von geringen Urinmengen. Dies wird durch eine Beeinträchtigung der Funktion des Schließmuskels oder der Blasenmuskulatur als Folge der Behandlung ausgelöst. Für Betroffene kann die Angst, ungewollt Urin zu lassen, sehr belastend sein. In der Regel bleibt diese Störung nur vorübergehend und kann durch eine konsequente Medikamentenbehandlung und/oder Beckenbodengymnastik behoben werden. Dein Arzt kann Dir in diesem Fall krankengymnastische Behandlungen mit gezielten Übungen verordnen, die Du später selbständig ausführen kannst. Bis zur Wiedererlangung der Kontinenz kann der unkontrolliert abgehende Urin in saugfähigen Einlagen aufgefangen werden.
Nachbetreuung
Die Nachsorge beinhaltet nicht nur die medizinischen Untersuchungen, sondern auch eine Nachbetreuung der Patienten. Nach einer Krebsbehandlung sind die meisten Menschen sowohl körperlich als auch seelisch stark belastet. Häufig verspüren Betroffene Angst vor einem Rückfall. Aber auch der Verlust des Organes wird häufig als schwerwiegend und psychisch belastend empfunden und kann sich erheblich auf das Selbstverständnis und das Selbstwertgefühl der Frau auswirken. Die Nachbetreuung soll die Betroffenen dabei unterstützen, die Krankheit zu verarbeiten und die vielfältigen Probleme zu bewältigen, die im Zusammenhang mit einer Tumorerkrankung auftreten. Eine Rehabilitation oder Kur können sich dabei als nützlich erweisen. Aber auch professionelle Unterstützung z.B. durch einen Therapeuten, einer Krebsberatungsstelle oder die Beteiligung an einer Selbsthilfegruppe können hilfreich sein.
