18. April 2023 | Dieser Text wurde nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von MedizinerInnen geprüft.

Blasenkrebs

Autor

OA Dr. med. Ercan Müldür

Medizinischer Experte

CO-AUTOR

Alexandra Musalek

Online-Redaktion

Eine Krebsdiagnose zu erhalten kann das Leben schlagartig verändern. Trauer, Angst, Wut und Hilflosigkeit sind vorherrschende Gefühle. Unterstützung und Information, wie es weitergeht, sind nun besonders wichtig.

Was versteht man unter Blasenkrebs?

Blasenkrebs bezeichnet einen bösartigen Tumor in der Harnblase und wird In der Fachsprache auch Harnblasenkarzinom genannt. Blasenkrebs geht meist von der Schleimhaut der Harnblase aus, dem Urothel.

Wie funktioniert die Blase?

Die Harnblase ist ein dehnbares Hohlorgan, das wie ein Reservoir funktioniert. Ihre Wand ist in drei Schichten aufgebaut: In der äußeren Schicht liegen Nerven sowie Blut- und Lymphgefäße, die mittlere Schicht besteht aus Muskelgewebe und innen wird die Blase von einer Schleimhautschicht ausgekleidet.

Die Blase gehört zum System der ableitenden Harnwege. Diese sind für das Sammeln und den Transport des Urins zuständig und bestehen aus zwei Abschnitten: Zum oberen Abschnitt gehören Nieren und Harnleiter, den unteren Teil machen Blase und Harnröhre aus. Die Harnausscheidung regelt dabei den Wasser- und Salzhaushalt des Körpers.

Der Urin gelangt von den beiden Nieren durch die Harnleiter in die Harnblase. Dort wird er gesammelt und bei entsprechender Menge entleert. Bei Erwachsenen kann die Blase bis zu einem Liter Flüssigkeit aufnehmen. Der Weg aus der Blase führt über einen trichterförmigen Auslass (Blasenhals) in die Harnröhre, von dort wird der Urin nach außen abgegeben, bei Frauen über den Scheidenvorhof, bei Männern geht der Weg über die Eichel.

Blasenhals und Harnröhre werden von einem Schließmuskel umgeben, der über eine feine Koordination von Muskeln und Nerven die Blasenfunktion und Urinausscheidung steuert.

Was sind die Symptome einer Blasenkrebserkrankung?

Die ersten Anzeichen einer Krebserkrankung im Bereich der Blase sind eher unspezifisch. So können Beschwerden beim Wasserlassen auftreten, wie etwa ein verstärkter Harndrang, bei dem jedoch beim Toilettengang nur jeweils eine kleine Menge an Harn entleert werden kann. Dieses erschwerte oder nur tropfenweise Harnlassen kann auch mit Schmerzen verbunden sein. Verfärbt sich der Harn rot oder braun, kann dies ebenfalls ein Warnzeichen sein. Ebenso kann sich Blasenkrebs durch Schmerzen im Unterleib und in der Nierengegend äußern.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Zunächst wird Ihr Arzt mit dir ein ausführliches Gespräch über die genauen Beschwerden und Ihre persönliche Krankengeschichte („Anamnese“) führen. Danach werden verschiedene Untersuchungen in die Wege geleitet.

Als erster Schritt wird in der Regel eine Urinuntersuchung durchgeführt, um zu überprüfen, ob Blut im Urin nachgewiesen werden kann. Zudem wird eine Urinzytologie veranlasst, also eine Untersuchung des Urins auf bösartig veränderte Zellen.

Wenn Blut im Urin nachgewiesen wird, wird im nächsten Schritt eine Röntgenuntersuchung der Harnwege durchgeführt, eine sogenannte Urografie. Bevor die Röntgenaufnahme gemacht wird, wird dir ein jodhaltiges Kontrastmittel in die Vene gespritzt. Dieses verteilt sich über den Blutkreislauf und die Nieren und füllt die Harnwege. Im Anschluss werden im Abstand von einigen Minuten mehrere Röntgenaufnahmen gemacht, wodurch man einen Überblick über den gesamten Harntrakt erhält.

Eine Blutuntersuchung gibt zudem Aufschluss über die Funktion einzelner Organe und den allgemeinen Gesundheitszustand. Spezifische Tumormarker im Blut für Blasenkrebs gibt es allerdings nicht.
Darüber hinaus wird in der Regel eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt, um Nieren und Blase beurteilen zu können. Dabei können eventuelle Veränderungen, die auf einen Tumor hinweisen können, erkannt werden.

Werden bei diesen Schritten Veränderungen im Bereich der Blase festgestellt, ist es notwendig, eine Gewebeprobe (Biopsie ) zu entnehmen. Dazu wird eine Blasenspiegelung durchgeführt, bei der unter lokaler Betäubung ein dünner, biegsamer Schlauch, das sogenannte Endoskop, durch die Harnröhre in die Blase eingeführt wird. Mit dem Endoskop kann der Arzt die Schleimhaut der Blase nach verdächtigen Stellen absuchen und aus der entsprechenden Region eine Gewebeprobe entnehmen. Im Anschluss wird diese Gewebeprobe feingeweblich (histologisch) untersucht. Erst danach steht mit Sicherheit fest, ob es sich um eine Krebserkrankung handelt oder nicht.

Wenn der histologische Befund den Verdacht bestätigt und die Diagnose Harnblasenkrebs vorliegt, sind meist weitere Untersuchungen notwendig, um festzustellen, in welchem Stadium der Erkrankung („Staging“ du dich befinden. Dazu kommen häufig eine Computertomografie (CT) und eine Magnetresonanztomografie (MRT) zum Einsatz, wobei Schnittbilder des Körpers erstellt werden. Diese Untersuchungen verlaufen völlig schmerzfrei und dauern zwischen 20 und 40 Minuten.

Welche Behandlungsmöglichkeiten für Blasenkrebs gibt es?

Die möglichen Behandlungsformen bei Harnblasenkrebs sind die Operation, die Strahlentherapie und die Chemotherapie. Oftmals werden diese Therapieformen auch miteinander kombiniert.
Operation.

Die operative Entfernung des Tumors ist meist fester Bestandteil der Behandlungen. Können alle Krebszellen entfernt werden, bestehen die besten Chancen auf vollständige Heilung. Welche Art von Eingriff angewandt wird, ist in erster Linie abhängig von der Tumorgröße und dem Krankheitsstadium.

Chemotherapie

In Kombination mit der Entfernung des Tumors bzw. mit einer Operation kommt oft eine Chemotherapie zum Einsatz, um den Therapieerfolg zu unterstützen. Ziel einer Chemotherapie ist es, Tumorzellen abzutöten. Die eingesetzten Arzneimittel (Zytostatika) hemmen das Wachstum der Krebszellen und schädigen diese auch direkt, wobei leider auch rasch wachsende, gesunde Zellen in Mitleidenschaft gezogen. Dadurch können unerwünschte Nebenwirkungen auftreten.

Strahlentherapie

In bestimmten Fällen kann eine Strahlentherapie als Alternative zur Operation zum Einsatz kommen. Ziel dabei ist es ebenfalls, Krebszellen zu zerstören und eine Ausbreitung des Tumors zu verhindern. Zu diesem Zweck werden energiereiche (ionisierende) Strahlen auf den Tumor gerichtet, die den Zellkern der Tumorzellen angreifen und vernichten. So können auch durch den Tumor oder durch Metastasen hervorgerufene Schmerzen gelindert werden, was die Lebensqualität oft wesentlich verbessert.

Wovon hängt es ab, welche Behandlung ich bekomme?

Welche Therapie für dich infrage kommt, ist in erster Linie davon abhängig, welche Art von Harnblasenkrebs bei dir festgestellt wurde. Grob kann man zwei Arten unterscheiden: zum einen den oberflächlich gelegenen, nicht-muskelinvasiven Tumor, der auf die Schleimhaut der Blase beschränkt ist, und zum anderen den muskelinvasiven Tumor, der sich in der Muskelschicht der Blasenwand ausgebreitet hat. Muskelinvasive Tumoren neigen dazu, sich auch auf andere, benachbarte Organe auszubreiten.

Zudem hängt die Auswahl der optimalen Therapie davon ab, in welchem Stadium der Erkrankung du dich befindest und wie gut dein allgemeiner Gesundheitszustand ist.

Therapie im frühen Krankheitsstadium:

Im Frühstadium von Harnblasenkrebs steht vor allem die Entfernung des Tumors im Vordergrund. Meist erfolgt dies mittels einer sogenannten transurethralen Resektion (TUR). Dabei handelt es sich um eine erweiterte Blasenspiegelung, das heißt, der Tumor kann mithilfe eines Endoskops schonend über die Harnröhre entfernt werden, ohne dass eine große Operation notwendig ist. Der Eingriff wird in Narkose durchgeführt.

Therapie im fortgeschrittenen Krankheitsstadium:

Wenn es sich um einen Tumor im fortgeschrittenen Stadium handelt, reicht die endoskopische Behandlung meist nicht aus. Hat sich der Tumor in die Muskelwand der Harnblase ausgebreitet oder hat er Nachbarorgane befallen, ist eine größere Operation notwendig. Die Entfernung der Harnblase bietet nun die besten Heilungschancen.

Zusammen mit der Blase werden auch benachbarte Lymphknoten sowie eventuell befallene Nachbarorgane entfernt. Bei Frauen können das die Gebärmutter, die Eierstöcke, die Eileiter oder Teile der Scheide sein. Bei Männern müssen gegebenenfalls Prostata und Samenbläschen mit entfernt werden.

Sollte bei dir der Fall eintreten, dass die Blase entfernt werden muss, wirst du in einem Gespräch mit deinem betreuenden Arzt darüber aufgeklärt, wie die Funktion deiner Blase ersetzt werden kann und welche Möglichkeit bei dir am sinnvollsten ist (siehe unten).

Wie wirken sich die Behandlungen auf mein weiteres Leben aus?

Ist bei dir eine größere Operation nötig und muss die Blase entfernt werden, gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie diese ersetzt wird.

So kann etwa aus einem Dünndarmstück eine Ersatzblase gebildet werden, die dann mit Harnleitern und Harnröhre verbunden wird. Dadurch wird eine nahezu natürliche Urinausscheidung möglich. Diese Methode kann allerdings nur in Erwägung gezogen werden, wenn der obere Teil der Harnröhre nicht vom Tumor befallen ist.

Ist das Setzen einer Ersatzblase nicht möglich, muss der Urin durch eine neu angelegte Öffnung in der Bauchdecke abgeleitet werden. Man spricht von einem sogenannten Urostoma.

Ein Stoma ändert die gewohnte Art, auf die Toilette zu gehen, erheblich. Die Urinausscheidung kann nicht mehr kontrolliert werden, sie erfolgt praktisch jederzeit. Der Urin wird in einem Beutel gesammelt und muss regelmäßig in die Toilette entleert werden. Aber auch wenn der Gedanke daran momentan sehr belastend erscheint: Letztendlich ist auch mit Stoma ein nahezu normaler Alltag möglich, es ergeben sich nur wenige Einschränkungen. Das heißt, du kannst weiterhin Sport betreiben, duschen und baden, sogar Schwimmen ist möglich. Ein Stoma lässt sich unter einem Badeanzug oder einer Badehose gut verbergen. Spezielle Stomaberater wirst du im Umgang mit dem Stoma schulen und dir helfend zur Seite stehen.

Wenn du von der Diagnose Blasenkrebs betroffen sein solltest, wird dir der zuständige Arzt im Laufe der Untersuchungen du der Behandlung die wichtigen Informationen zur richtigen Zeit mit an die Hand geben.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten einer Blasenkrebstherapie?

Die Krankenkassen übernehmen in der Regel alle Kosten, die mit der Genesung von der Blasenkrebserkrankung einhergehen. Dazu gehören die Diagnosestellung, die Therapie und die Nachbehandlung, also die erforderlichen Medikamente und Rehabilitationsmaßnahmen nach Abschluss der Therapie. Ähnliches gilt auch für Vorsorgeuntersuchungen, die dazu dienen sollen, eine mögliche Krebserkrankung früh zu erkennen und somit die Chancen auf Heilung zu erhöhen.

Patienten haben auch dann das Recht auf die Kostenübernahme, wenn die Prognose schlecht ist. Das Sozialgesetzbuch schreibt dabei vor, dass die Maßnahmen „ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich“ sein müsse und das „Maß des Notwendigen“ nicht überschreiten dürfen. Das betrifft nicht nur die Behandlung als solche, sondern auch die Wahl des Arztes.

Wie geht es jetzt weiter?

In der nächsten Zeit werden einige wichtige Entscheidungen auf dich zukommen. Du wirst daher mehrere Gespräche mit dem betreuenden Arzt führen. Lass dir die einzelnen Behandlungsschritte in aller Ruhe erklären. Häufig müssen Nutzen und Nebenwirkungen einzelner Therapien gegeneinander abgewogen werden. Vergiss dabei aber nicht, dass du mit der Diagnose nicht alleine bist. Teile deinem Arzt deine Ängste und Wünsche mit – er wird dir dabei helfen, den für dich optimalen Weg zu finden.

Ebenso kann eine psychologische Begleitung neue Perspektiven eröffnen und dich dabei unterstützen, den Alltag mit der Diagnose zu meistern. Anlaufstellen in Ihrer Nähe findest du auf der Homepage der Österreichischen Krebshilfe (http://www.krebshilfe.net/).