Brustkrebs
Autor
OA Dr. med. Ercan Müldür
Medizinischer Experte
CO-AUTOR
Alexandra Musalek
Online-Redaktion
Brustkrebs, auch Mammakarzinom genannt, stellt die häufigste Krebsart bei Frauen dar und tritt am häufigsten im Alter von 50 bis 70 auf. Etwa eine von 8 Frauen erkrankt im Laufe ihres Lebens an der Krankheit. Unbehandelt kann sie tödlich enden, wird sie allerdings frühzeitig erkannt, können die meisten Erkrankungen geheilt werden. Deshalb werden Vorsorgeuntersuchungen ab einem Alter von 50 von der Krankenkasse getragen. Aber auch für junge Frauen empfiehlt sich eine regelmäßige Kontrolluntersuchung beim Frauenarzt. Zwar deutlich seltener als Frauen können aber auch Männer an Brustkrebs erkranken, weshalb auch für sie die folgenden Informationen nützlich sein können. Was es über das Mammakarzinom zu wissen gibt, liest du hier.
Was versteht man unter Brustkrebs?
Brustkrebs bezeichnet eine bösartige Entartung von Zellen in der Brustdrüse. Wenn Zellen beginnen sich unkontrolliert zu vermehren und schließlich in gesundes Gewebe hineinwachsen, spricht man von einem Tumor. Im Gegensatz zu normalen Zellen, übernehmen Krebszellen keine Funktion im Körper. sie entstehen durch Schäden in der Erbinformation der Zellen oder durch einen Fehler bei der Ablesung der Geninformation.
Welche Stufen von Brustkrebs gibt es?
Der Brustkrebs wird nach Entwicklungsstufe, Aggressivität und Lokalität in die folgenden Kategorien klassifiziert werden:
Nicht-invasiver Brustkrebs (In-situ-Karzinome)
Bei s.g. In-situ-Karzinome handelt es sich um Zellentartungen, welche nur die oberste Schicht, also das Deckgewebe der Haut, betreffen und nicht in tiefere Gewebeschichten vorgedrungen sind. Bei In-situ-Karzinomen handelt es sich um eine Sonderform von Zellentartungen. Sie sind „nicht-invasiv“, haben also nicht die Eigenschaft, in das umgebende Gewebe einzuwachsen bzw. Metastasen (Töchtergeschwülste) zu bilden. Auch konnte in mehreren Studien beobachtet werden, dass sich diese lokalen Zellentartungen von selbst zurückbilden können. Die meisten Experten sprechen bei einem In-situ-Karzinom daher gar nicht von Brustkrebs, sondern vielmehr von einer möglichen Vorstufe von Brustkrebs.
Duktales Carcinoma in situ (DCIS)
Etwa jede fünfte Frau, bei der Brustkrebs festgestellt wird, erhält die Diagnose des duktalen Carcinoma in situ (DCIS). Dabei handelt es sich um einen Tumor, der eine Vorstufe zu einer Krebserkrankung (Präkanzerose) der Brustdrüse darstellt. Hierbei liegen in den Milchgängen (den Duktus) der Brustdrüse bereits veränderte Zellen vor, die aber noch lokal begrenzt vorkommen (daher die Bezeichnung „in situ“) und nicht oder noch nicht in umliegendes Gewebe eingedrungen sind. Der Verdacht auf ein DCIS ergibt sich in der Regel aufgrund einer Mammografie. Im Rahmen einer Biopsie kann eindeutig festgestellt werden, ob ein DCIS bzw. bereits weiter verbreitete Brustkrebszellen vorliegen oder nicht. Studien zufolge erkranken 30–50% aller Frauen mit der Diagnose „Carcinoma in situ“ später auch an invasivem, also sich ausweitendem Brustkrebs. Dies kann übrigens auch dann der Fall sein, wenn das DCIS im Rahmen einer Operation entfernt wird. Nicht immer ist eine Operation notwendig; dies wird individuell mit dem behandelnden Onkologen abgeklärt. Wichtig zu wissen ist jedenfalls, dass ein DCIS durch einen operativen Eingriff fast immer vollständig entfernt und geheilt werden kann. Eine solche Operation erfolgt in den allermeisten Fällen brusterhaltend.
Invasiver Brustkrebs
Wenn die Tumorzellen Gewebegrenzen überschreiten und sich unkontrolliert ausbreiten, also nicht mehr „in situ“ sind, werden sie als invasive Karzinome bezeichnet. Je früher Brustkrebs entdeckt wird, umso größer ist die Chance auf Heilung. Wie weit der Brustkrebs fortgeschritten ist, geben Ärzte mit der sogenannten TNM-Klassifikation an:
- T steht für das englische „tumor“, die Größe des Tumors wird von T0 bis T4 angegeben.
- N steht für das englische Wort für Lymphknoten „node“ und gibt die Anzahl der befallenen Lymphknoten an (N0 bis N3). N1 steht etwa für ein bis drei befallene Lymphknoten in der Achselhöhle.
- M für „metastasis“ gibt die Anzahl der Fernmetastasen an, die sich z.B. in der Lunge, in den Knochen oder im Gehirn bilden (M0 steht für keine Metastasenbildung, M1 dafür, dass bereits Tochtergeschwülste vorliegen).
Wie wird die Diagnose Brustkrebs gestellt?
Um die richtige Behandlung zu ermitteln, ist eine differenzierte Diagnose notwendig. Der gynäkologische Onkologe wird sich dazu unterschiedliche Parameter ansehen. Dazu gehört:
Erkrankungsfortschritt: Wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist, gibt die beschriebene TNM-Klassifikation an.
Aggressivität des Tumors (Grading): Die Aggressivität des Tumors wird in Graden angegeben. Zellen vom Grad 1 sind den normalen Körperzellen relativ ähnlich und zeigen ein langsames Wachstum. Tumorzellen vom Grad 3 gelten als aggressiver und weisen meist ein schnelleres Tumorwachstum auf.
Hormonabhängigkeit: Ein wichtiges Merkmal des Tumors ist, ob die entarteten Zellen Hormonrezeptor-positiv sind, das heißt, ob ihr Wachstum durch den Einfluss von Östrogen und/oder Progesteron beeinflusst wird. Ist dies der Fall, kann der Brustkrebs mit einer (Anti-)Hormontherapie behandelt werden.
Menopausenstatus: Auch dein Alter, genauer gesagt, dein Menopausenstatus, spielt eine Rolle bei der Wahl der Therapie. Zumeist benötigen Frauen vor den Wechseljahren eine andere Therapieform als Frauen, die die Wechseljahre bereits hinter sich haben.
Vererbung: Bei genetisch bedingtem Risiko haben Frauen, die bereits an Brustkrebs erkrankt sind, ein besonders hohes Rückfallrisiko. Ihre Therapieplanung wird dies berücksichtigen und umfassender bzw. aggressiver ausfallen. Diskutieren Sie mit Ihrem Arzt die Vor- und Nachteile einer Amputation der Brüste (Mastektomie) in Ihrem persönlichen Fall.
HER2-Status: Auf Krebszellen findet sich häufig eine bestimmte Form überaktiver Rezeptoren, die das Wachstum der Krebszellen beschleunigen. Das Tumorwachstum kann dann mit einer speziellen Antikörpertherapie wirksam bekämpft werden.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Und welche Nebenwirkungen haben diese?
Insgesamt gilt, umso größer dein persönliches Rückfallrisiko eingeschätzt wird, desto aggressiver wird die Therapie sein, die man dir vorschlägt.
Je nach Diagnose wird der Onkologe eine der folgenden Behandlungsmethoden erwägen:
Operation
Fast immer steht am Anfang der Therapie die operative Entfernung des erkrankten Brustgewebes. Ziel ist die vollständige Entfernung des Tumors bzw. der krankhaft veränderten Zellen bei einem Carcinoma in situ. Im Rahmen der Operation werden nicht nur die entarteten Zellen entfernt, sondern auch gesundes Gewebe um den Tumor herum. Bei etwa zwei Drittel aller Patientinnen kann die Brust dabei erhalten werden. Manchmal ist es dennoch notwendig, oder sicherer, die gesamte Brust zu amputieren, etwa weil sich mehrere Krebsherde in der Brust befinden oder weil der Tumor trotz einer Nachoperation nicht vollständig entfernt werden konnte.
Strahlentherapie (Radiotherapie)
Bei der Radiotherapie wird energiereiche, radioaktive Strahlung genutzt, um Krebszellen gezielt zu zerstören. Bestrahlt wird dabei die gesamte Brust, wobei die Tumorstelle eine zusätzliche Strahlendosis erhält. Durch die Verbesserung der Strahlentherapie in den vergangenen Jahren ist es heute möglich, das umliegende Gewebe weitgehend zu schonen und somit Nebenwirkungen zu reduzieren. Die Radiotherapie kommt bei brusterhaltendem operativem Vorgehen praktisch immer zum Einsatz, um Sie vor einem Rückfall zu schützen. Studien zeigen, dass jüngere Frauen mehr von einer Strahlentherapie profitieren als ältere.
Wichtig ist, die Brust kann erst dann bestrahlt werden, wenn die Wundheilung abgeschlossen ist. Sie müssen nach der Operation also sechs bis acht Wochen warten, ehe Sie mit der Strahlentherapie beginnen können. Ist gleich im Anschluss an die Operation eine Chemotherapie erforderlich, werden die Ärzte noch länger mit der Strahlentherapie warten. Im Gegensatz dazu können Sie eine Hormontherapie gleichzeitig mit der Bestrahlung erhalten.
(Anti-)Hormontherapie
Eine (Anti-)Hormontherapie macht nur dann Sinn, wenn die bei dir gefundenen Krebszellen Hormonrezeptor-positiv bzw. „hormonabhängig“ sind. Durch die Hemmung von Östrogen bzw. Progesteron kann das Wachstum von Brustkrebs verhindert bzw. verlangsamt werden. Für die Hormontherapie stehen unterschiedliche Wirkstoffe zur Verfügung. Es ist möglich, dass dir nur eine Substanz für die Dauer von fünf Jahren verschrieben wird oder eine Kombination aus unterschiedlichen Wirkstoffen für zwei bis drei Jahre.
Nebenwirkungen der Hormontherapie
Frauen vor der Menopause müssen mit klassischen Wechselbeschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen und Gewichtszunahme rechnen. Durch die Unterdrückung von Östrogen steigt zudem die Wahrscheinlichkeit, Osteoporose (Knochenschwund) zu entwickeln. Es wird daher auch die Knochendichte zu messen sein und allenfalls eine entsprechende Therapie zur Vermeidung einer Osteoporose eingesetzt. Auch Muskel- und Gelenkbeschwerden oder ein erhöhtes Thromboserisiko gehören zu den möglichen Begleiterscheinungen. Welche Nebenwirkungen auftreten können, hängt in erster Linie von der Wahl des Wirkstoffes ab.
Chemotherapie
Chemotherapeutika, auch Zytostatika genannt, sind Medikamente, welche Zellen, die sich schnell teilen – wie das bei Krebszellen der Fall ist – ausfindig machen und gezielt abtöten sollen.
Nebenwirkungen der Chemotherapie
Um die Wirkung zu verbessern und Nebenwirkungen zu reduzieren, erhalten Frauen mit Brustkrebs meist eine Kombination verschiedener Wirkstoffe. Dennoch gelingt es in der Regel meist nicht, Nebenwirkungen ganz zu verhindern, denn die Zytostatika greifen auch körpereigene, sich schnell teilende Zellen an, z.B. die Haarwurzeln oder die Zellen in der Magen- und Darmschleimhaut. Nebenwirkungen wie Haarausfall und Erbrechen sind daher leider keine Seltenheit.
Worauf gilt sonst zu achten?
Lassen Sie sich am besten in Ihrem Krankenhaus beraten, wie man die Nebenwirkungen der Chemotherapie verringern kann und wie Sie Ihre Ernährung während der Therapie optimal gestalten. Wichtig ist in jedem Fall, die dir vorgeschriebenen Therapiezyklen einzuhalten, da die Wirkung der Chemotherapie sonst beeinträchtigt wird.
Oft werden durch die Chemotherapie auch die Eierstöcke geschädigt. Teilen Sie Ihren behandelnden Ärzten daher mit, wenn Sie einen Kinderwunsch haben.
Antikörpertherapie
Die Medikamente der Antikörpertherapie sind auf die Eigenschaften der jeweiligen Krebszellen abgestimmt; man spricht daher auch von einer „zielgerichteten Therapie“ (auf Englisch „targeted therapy“). Die in der Krebstherapie verwendeten Antikörper greifen auf verschiedene Weise in das Tumorwachstum ein, indem sie zum Beispiel bestimmte Wachstumssignale im Stoffwechsel der Krebszellen unterdrücken.
Nebenwirkungen der Antikörpertherapie
Die Nebenwirkungen der Antikörpertherapie sind abhängig vom jeweiligen Medikament und können schwerwiegend sein – etwa eine Schädigung von Herz oder Nieren. Ihre Ärzte werden daher zusätzliche regelmäßige Untersuchungen veranlassen.
Bezahlen die Krankenkasse eine Brustkrebstherapie?
Die Krankenkassen übernehmen in der Regel alle Kosten, die mit der Genesung von der Brustkrebserkrankung einhergehen. Dazu gehören die Diagnosestellung, die Therapie und die Nachbehandlung, also die erforderlichen Medikamente und Rehabilitationsmaßnahmen nach Abschluss der Therapie. Ähnliches gilt auch für Vorsorgeuntersuchungen, die dazu dienen sollen, eine mögliche Krebserkrankung früh zu erkennen und somit die Chancen auf Heilung zu erhöhen. Neben den Routineuntersuchungen beim Gynäkologen, also der gynäkologischen Tastuntersuchung, werden ab einem Alter von 50 auch die Kosten für ein Mammographie-Screening im Abstand von zwei Jahren von der Krankenkasse getragen, bei Frauen mit familiärer Vorgeschichte, auch schon früher.
Patienten haben auch dann das Recht auf die Kostenübernahme, wenn die Prognose schlecht ist. Das Sozialgesetzbuch schreibt dabei vor, dass die Maßnahmen „ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich“ sein müsse und das „Maß des Notwendigen“ nicht überschreiten dürfen. Das betrifft nicht nur die Behandlung als solche, sondern auch die Wahl des Arztes.