Hautkrebs
Autor
OA Dr. med. Ercan Müldür
Medizinischer Experte
CO-AUTOR
Alexandra Musalek
Online-Redaktion
Mit der Diagnose Hautkrebs konfrontiert zu werden, kann im ersten Moment ein Schock sein. Plötzlich muss man sich mit einer ernsthaften Erkrankung auseinandersetzen, die das Leben schlagartig verändern kann. Allerdings gilt insbesondere bei Hautkrebs, Krebs ist nicht gleich Krebs, denn je nach Art des Tumors und Zeitpunkt der Diagnosestellung können die Heilungschancen sehr hoch sein. Die vorliegenden Informationen sollen Ihnen dabei helfen, das Krankheitsbild Hautkrebs besser zu verstehen, die notwendigen Untersuchungsschritte kennenzulernen, und Ihnen einen Überblick über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten geben.
Was versteht man in der Medizin unter Hautkrebs?
Mit Hautkrebs ist eine bösartige Veränderung der Hautzellen gemeint, die sich in vielfältigen Erscheinungsformen zeigt. Unterschieden wird in den sogenannten schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) und den hellen Hautkrebs, wobei der helle Hautkrebs deutlich häufiger auftritt als der gefährlichere schwarze Hautkrebs und nur selten Tochtergeschwüre, s.g. Metastasen, bildet. Hautkrebs ist die häufigste Form der Krebserkrankung weltweit und betrifft vorwiegend Menschen, die viel Zeit im Freien verbringen und so direkter Sonnenstrahlung ausgesetzt sind. Die im Licht der Sonne enthaltene UV-Strahlung gilt nach wie vor als eine der Hauptursachen für Hautkrebs.
Welche Arten von Hautkrebs gibt es?
Hautkrebs kann sich aus unterschiedlichen Zellarten der Haut entwickeln. Je nachdem, von welchen Zellen die Veränderung ausgeht, unterscheidet man im Wesentlichen zwischen drei häufigen Formen von Hautkrebs: dem Basalzellkarzinom (Basaliom), dem Plattenepithelkarzinom und dem Melanom. Daneben gibt es noch eine Reihe von sehr seltenen Hautkrebsarten, auf die hier nicht eingegangen werden kann und über die Sie die notwendigen Informationen von Ihrem Facharzt erhalten.
Basalzellkarzinom und Plattenepithelkarzinom werden aufgrund ihrer hautfarbenen bis hellbraunen Erscheinung oft auch al „heller“ oder „weißer Hautkrebs“ bezeichnet.
Das Basalzellkarzinom entwickelt sich meist langsam über Monate bis Jahre, unbehandelt kann es in das umgebende Gewebe einwachsen. Allerdings siedelt sich ein Basalzellkarzinom nur äußerst selten in anderen Organen an, es neigt also eher nicht zur Ausbildung von Metastasen. Mögliche Frühzeichen für ein Basalzellkarzinom (Basaliom) sind hautfarbene bis leicht bräunliche, langsam wachsende Knötchen an der Haut, die eventuell glänzen oder ein wachsartiges Aussehen haben. Oft verschmelzen die einzelnen Knötchen mit der Zeit zu einem größeren Knoten, der auch aufbrechen und bluten kann. Dadurch kann sich ein verkrustetes Geschwür bilden, das im Gegensatz zu einer normalen Wunde nicht von selbst abheilt.
Das Plattenepithelkarzinom äußert sich ebenfalls in langsam wachsenden, hautfarbenen oder graubraunen, knotigen Veränderungen, die auch festhaftende Schuppen bilden können. Zu Beginn sind die Knötchen meist flach und fühlen sich rau an, mit der Zeit können sie dicker werden und haben dann oft Ähnlichkeit mit Warzen.
Das Melanom hingegen wird als „schwarzer Hautkrebs“ bezeichnet, da es von den Pigment bildenden Zellen der Haut (Melanozyten) ausgeht und meist als dunkle Veränderung sichtbar ist. Ein mögliches Warnzeichen ist ein Muttermal, das an Größe zugenommen hat, seine Form oder seine Farbe verändert hat, anders aussieht als alle anderen Muttermale oder neu aufgetreten ist.
Wie wird die Diagnose Hautkrebs gestellt?
Wenn Sie aufgrund einer Veränderung an der Haut einen Facharzt für Hautkrankheiten (Dermatologe) aufsuchen, wird dieser als ersten Schritt die betroffene Stelle untersuchen, oft mithilfe eines Auflichtmikroskops, einer Art Lupe. Damit kann der Arzt in der Regel schon eine ziemlich genaue Verdachtsdiagnose äußern. Auch eine Begutachtung der restlichen Hautoberfläche und ein Abtasten der Lymphknoten gehören zu den ersten diagnostischen Schritten.
Besteht nach dieser Untersuchung der Verdacht auf Hautkrebs, wird als nächster Schritt die veränderte Hautstelle operativ entfernt (Biopsie), um das Gewebe unter dem Mikroskop untersuchen zu können und eine genaue Diagnose zu stellen. Dabei wird meist versucht, die gesamte betroffene Stelle zu entfernen. Bei sehr großer Ausdehnung oder ungünstiger Lage kann zunächst auch nur eine Teilentfernung durchgeführt werden. Die Entfernung wird in der Regel ambulant unter Lokalbetäubung vorgenommen, bei besonderem Risiko für Nachblutungen oder Wundheilungsstörungen manchmal auch während eines kurzen stationären Aufenthalts.
Nachdem die Diagnose Hautkrebs gestellt wurde, ist das weitere Vorgehen in erster Linie davon abhängig, um welche Tumorart es sich handelt. Insbesondere beim Melanom ist es wichtig, zu wissen, in welchem Krankheitsstadium Sie sich befinden – also wie weit die Krebszellen sich in der Haut ausgebreitet haben und ob auch Lymphknoten oder andere Organe betroffen sind. Die dafür notwendigen Untersuchungsschritte und Kategorisierung des Tumorfortschritts werden in der Medizin unter dem Begriff Staging zusammengefasst. Sie sind wichtig, damit Ihr Arzt die für Sie bestmögliche Therapie individuell festlegen kann.
Beim Melaton:
Zunächst wird der Hauttumor mithilfe des histologischen Befundes beurteilt. Ein wesentliches Kriterium stellt dabei die Dicke des Tumors bzw. seine Eindringtiefe in die Haut dar – je weniger weiter in die Haut eingedrungen ist, umso besser sind die Chancen für eine vollständige Heilung. Zudem wird unter anderem das Teilungsverhalten der Zellen (Mitoserate) beurteilt, um abschätzen zu können, wie schnell der Tumor wächst. Anhand dieser Merkmale kann das Risiko für eine Ausbreitung von Krebszellen im Körper eingestuft werden. Ihr Arzt kann danach die für Sie infrage kommenden weiteren Untersuchungen veranlassen.
In den meisten Fällen wird eine Ultraschalluntersuchung der Lymphknoten durchgeführt. Diese Untersuchung verläuft schmerzlos und gibt Auskunft darüber, ob sich die Krebszellen auf die Lymphknoten ausgebreitet haben.
Auch eine Blutuntersuchung zur Bestimmung von Tumormarkern kann durchgeführt werden, hat aber beim Melanom keine besonders hohe Aussagekraft.
Nur in fortgeschritteneren Stadien muss untersucht werden, ob Absiedelungen in anderen Organen vorhanden sind. Beim Melanom betrifft dies vor allem die Lunge, die Leber, die Knochen und das Gehirn, manchmal aber auch andere Organe. Für die Untersuchung des Gehirns wird in der Regel eine Schädel-MRT (Magnetresonanztomografie) durchgeführt.
Beim Plattenepithelkarzinom und Basalkarzinom:
Das Plattenepithelkarzinom neigt nur in seltenen, sehr fortgeschrittenen Fällen zur Ausbildung von Metastasen, die dann in erster Linie die nahe gelegenen Lymphknoten betreffen. Zusätzlich zur Tastuntersuchung der Lymphknoten kann ein Lymphknotenultraschall durchgeführt werden. Weiterführende Untersuchungen wie CT oder MRT kommen in der Regel nur bei sehr großflächigen Tumoren oder bei Beschwerden, die auf Metastasen hinweisen könnten, zur Anwendung.
Da es bei einem Basalzellkarzinom nur äußerst selten zu Metastasenbildung kommt, sind weiterführende Untersuchungen nur in Ausnahmefällen nötig.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Grundsätzlich stehen für die Therapie von Hautkrebs Operation, Immuntherapie, Strahlen- und Chemotherapie zur Verfügung. Daneben gibt es je nach Art des Hauttumors zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten und spezifische Therapien.
Die Operation ist die Standardtherapie bei allen Formen von Hautkrebs. Das gesamte Tumorgewebe muss entfernt werden, um die bestmöglichen Chancen auf eine vollständige Heilung zu erzielen. Dabei muss auch ein Teil der umliegenden gesunden Haut entfernt werden, um sicherzustellen, dass keine Krebszellen zurückbleiben, die dort eventuell bereits verstreut, aber noch nicht sichtbar sind. Dieser Bereich wird als Sicherheitsabstand bezeichnet. Wie groß er sein muss, ist abhängig von Tumorart und -ausbreitung und kann oft erst nach dem ersten histologischen Befund festgelegt werden. Daher kann es sein, dass – auch wenn der Hauttumor bereits bei der Biopsie entfernt wurde – als therapeutischer Schritt eine zweite Operation durchgeführt wird, um nachträglich einen ausreichenden Sicherheitsabstand zu erreichen.
Immuntherapeutika werden beim Melanom unter bestimmten Umständen eingesetzt, um den langfristigen Heilungserfolg einer Operation zu unterstützen (adjuvante Immuntherapie) oder das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten. Wirkstoffe dieser Gruppe mobilisieren die körpereigenen Abwehrkräfte gegen den Krebs. Sie aktivieren das Immunsystem und unterstützen es dabei, Krebszellen zu erkennen, anzugreifen und zu zerstören.
Strahlentherapie kann zum Einsatz kommen, wenn sich der Tumor nicht bzw. nicht vollständig operativ entfernen lässt – etwa weil er besonders groß oder ungünstig lokalisiert ist oder wenn aufgrund des allgemeinen Gesundheitszustands keine Operation möglich ist. Dabei werden energiereiche (ionisierende) Strahlen auf den Tumor gerichtet, die den Zellkern der Krebszellen angreifen. Dadurch können sie sich nicht mehr vermehren und sterben ab. Aufgrund der gezielten (lokalen) Anwendung ist die Strahlentherapie in der Regel nur mit wenigen Nebenwirkungen verbunden.
Chemotherapie wird in fortgeschrittenen Stadien mit Absiedelungen des Tumors in Lymphknoten oder anderen Organen durchgeführt. Ziel dieser Behandlung ist es, Krebszellen in ihrem Wachstum zu stoppen, sie zu schädigen und damit eine Rückbildung des Tumors zu erreichen. Meist werden dazu Medikamente ausgewählt, die möglichst wenig Nebenwirkungen haben, sodass die Lebensqualität unter der Behandlung nur wenig beeinträchtigt wird. Fragen Sie Ihren Arzt, welche unerwünschten Nebenwirkungen bei dieser Therapie voraussichtlich auf Sie zukommen, und besprechen Sie mit ihm die Möglichkeiten, diese Beschwerden zu lindern.
Welche Behandlungsmöglichkeiten für Sie speziell infrage kommen, ist in erster Linie davon abhängig, welche Art von Hautkrebs bei Ihnen festgestellt wurde und in welchem Stadium sich dieser befindet.
Eine moderne Behandlungsmöglichkeit von Melanomen in fortgeschrittenem Stadium stellt der Einsatz sogenannter Targeted Therapies (Englisch für „zielgerichtete Therapien“) dar. Wirkstoffe dieser Gruppe greifen gezielt in die krankhaft veränderten Stoffwechselvorgänge der Krebszellen ein, die dafür verantwortlich sind, dass ein Tumor entstehen und wachsen kann.
Die therapeutischen Schritte beim Plattenepithelkarzinom und Basalzellkarzinom sind weitgehend gleich. Der wichtigste Schritt in der Behandlung beider Tumorarten ist die Operation. In den meisten Fällen ist sie die einzige nötige und ausreichende Therapie, um eine vollständige Heilung zu erzielen. Das Tumorgewebe muss dabei vollständig und mit ausreichendem Sicherheitsabstand entfernt werden. In einigen Fällen sind mehrere Operationen nötig, um den gesamten Tumor zu entfernen und ein kosmetisch gutes Ergebnis zu erzielen – etwa wenn der Tumor eine ungünstige Lage hat, sehr großflächig ist oder tiefer gelegene Strukturen wie Knorpel oder Knochen befallen sind.
Kann keine Operation durchgeführt werden oder ist es nicht möglich, das gesamte Tumorgewebe operativ zu entfernen, gibt es unterschiedliche weitere Verfahren, um den Tumor zu behandeln. Für große Tumoren eignet sich hier vor allem die Strahlentherapie.
Übernehmen die Krankenkassen die Kosten für eine Hautkrebsbehandlung?
Die Krankenkassen übernehmen in der Regel alle Kosten, die mit der Genesung von der Blasenkrebserkrankung einhergehen. Dazu gehören die Diagnosestellung, die Therapie und die Nachbehandlung, also die erforderlichen Medikamente und Rehabilitationsmaßnahmen nach Abschluss der Therapie. Ähnliches gilt auch für Vorsorgeuntersuchungen, die dazu dienen sollen, eine mögliche Krebserkrankung früh zu erkennen und somit die Chancen auf Heilung zu erhöhen.
Patienten haben auch dann das Recht auf die Kostenübernahme, wenn die Prognose schlecht ist. Das Sozialgesetzbuch schreibt dabei vor, dass die Maßnahmen „ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich“ sein müsse und das „Maß des Notwendigen“ nicht überschreiten dürfen. Das betrifft nicht nur die Behandlung als solche, sondern auch die Wahl des Arztes.
Wie geht es jetzt weiter?
In der nächsten Zeit werden einige wichtige Entscheidungen auf dich zukommen. Du wirst daher mehrere Gespräche mit dem betreuenden Arzt führen. Lass dir die einzelnen Behandlungsschritte in aller Ruhe erklären. Häufig müssen Nutzen und Nebenwirkungen einzelner Therapien gegeneinander abgewogen werden. Vergiss dabei aber nicht, dass du mit der Diagnose nicht alleine bist. Teile deinem Arzt deine Ängste und Wünsche mit – er wird dir dabei helfen, den für dich optimalen Weg zu finden.
Ebenso kann eine psychologische Begleitung neue Perspektiven eröffnen und dich dabei unterstützen, den Alltag mit der Diagnose zu meistern. Anlaufstellen in Ihrer Nähe findest du auf der Homepage der Österreichischen Krebshilfe (http://www.krebshilfe.net/).