Lungenkrebs
Autor
OA Dr. med. Ercan Müldür
Medizinischer Experte
CO-AUTOR
Alexandra Musalek
Online-Redaktion
Die Diagnose Lungenkrebs zu erhalten kann erschütternd sein – sie kommt oft unerwartet und verändert die Prioritäten und den Fokus des Betroffenen schlagartig. Es ist völlig normal, dass jetzt viele Fragen auftauchen, etwa welche Schritte in nächster Zeit auf Dich zukommen werden und auf was Du Dich einstellen solltest.
Die nachfolgenden Informationen sollen dir dabei helfen, notwendige Untersuchungsschritte besser zu verstehen und einen Überblick über die Behandlungsmöglichkeiten zu erhalten.
Was versteht man in der Medizin unter Lungenkrebs?
Lungenkrebs ist die dritthäufigste Krebserkrankung und kann in allen Abschnitten der Lunge entstehen, wobei sich mehr als die Hälfte der Tumoren in den oberen Teilen der Lungenflügel entwickelt.
Lungenkrebs, oder in der Fachsprache Lungenkarzinom, bezeichnet eine bösartige Zellentartung, die aus dem Lungengewebe selbst entstehen, in den meisten Fällen, den Zellen in den Lungenbläschen und den Zellen, die die Atemwege (Bronchien) auskleiden. Krebszellen unterscheiden sich von gesunden Zellen vor allem dadurch, dass sie sich schneller teilen und somit schneller, meist unkontrolliert wachsen bzw. „wuchern“, dabei also nichtmehr auf regulierende Signale des Körpers reagieren. Ein wichtiger Risikofaktor für Lungenkrebs ist das Rauchen.
Arten von Lungenkrebs
Ganz grob unterscheidet man bei der Diagnose Lungenkrebs noch einmal in:
Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom
Der Großteil der Lungenkarzinome sind nicht-kleinzellige Lungenkarzinome, ein Krebstyp in den Lungen oder den Atemwegen, welcher in frühen Stadien oft vollständig operativ entfernt werden kann.
Kleinzelliges Lungenkarzinom
Kleinzellige Lungenkarzinome (SCLC – Small Cell Lung Cancer) machen etwa 12-15% der Lungenkarzinome aus, sie breiten sich in der Regel sehr schnell über die Blut- und die Lymphwege aus – zum Zeitpunkt der Diagnosestellung haben sich oft schon Metastasen in anderen Organen gebildet. Dadurch ist in den meisten Fällen keine vollständige operative Entfernung möglich. Allerdings spricht der Tumor in der Regel sehr gut auf eine Chemotherapie an und lässt sich damit oft rasch verkleinern.
Was sind die Symptome von Lungenkrebs?
Die ersten Anzeichen bei Lungenkrebs sind meist eher unspezifisch, wie Husten oder Atembeschwerden. Im Unterschied zu einer normalen Erkältung bleiben die Beschwerden aber über Wochen bestehen und werden mit der Zeit schlimmer. Nach einiger Zeit kommen neue Symptome hinzu, wie blutiger Auswurf beim Husten, Heiserkeit, Schluckbeschwerden oder Brust- und Rückenschmerzen. Auch allgemeine Schwäche und Müdigkeit oder starker Gewichtsverlust können mögliche Warnzeichen sein.
Wie stellt der Arzt die Diagnose Lungenkrebs?
Als erster Untersuchungsschritt wird in der Regel ein Lungenröntgen durchgeführt. Damit kann der Arzt einen Hinweis erhalten, ob Ihre Beschwerden auf die Lunge oder das Herz zurückzuführen sind und ob ein Tumor vorhanden ist. Auch eine Blutuntersuchung gehört zu den ersten diagnostischen Schritten. Besteht nach diesen Untersuchungen der Verdacht auf Lungenkrebs, wird der Arzt dich zu einem Spezialisten bzw. an eine spezialisierte Abteilung überweisen. Meist wird als nächster Schritt eine CT-Untersuchung (Computertomografie) des Brustkorbes und des Bauchraumes durchgeführt. Damit können die Größe und die Eigenschaften eines Tumors sowie die Lymphknoten und die benachbarten Organe beurteilt werden. Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten und ist mit keinerlei Schmerzen verbunden. Letztlich müssen die Zellen des Tumors noch mikroskopisch untersucht werden, um die Diagnose abzusichern und festzustellen, um welche Art von Lungenkrebs es sich handelt. Dafür wird eine Gewebeprobe des Tumors entnommen (Biopsie) , in den meisten Fällen geschieht dies im Rahmen einer Spiegelung der Bronchien (Bronchoskopie). Diese Untersuchung wird unter Lokalbetäubung und Verabreichung eines Beruhigungsmittels (Sedierung) oder in Allgemeinnarkose Die Dauer der Untersuchung hängt von der Lage und der Zugänglichkeit des Tumors ab.
Ist die Diagnose Lungenkrebs gestellt, sind weitere bildgebende Verfahren notwendig, um festzustellen, in welchem Krankheitsstadium Sie sich befinden. Diese Schritte werden in der Medizin unter dem Begriff Staging zusammengefasst. Sie sind wichtig, damit Ihr Arzt die für Sie bestmögliche Therapie individuell festlegen kann.
So ist es etwa notwendig, zu wissen, wie weit sich der Tumor im Brustkorb ausgebreitet hat und ob auch Lymphknoten befallen sind. Dies wird in der Regel mit einer PET-CT (Positronen-Emissions-Tomografie in Kombination mit CT) untersucht. Auch andere Organe müssen untersucht werden, um festzustellen, ob der Tumor bereits Tochtergeschwulste (Metastasen) gebildet hat. Bei Lungenkrebs betrifft dies vor allem die Leber, die Nebennieren, die Knochen und das Gehirn.
Sind alle diese Untersuchungen abgeschlossen, wird der Arzt dir mitteilen, in welchem Stadium der Erkrankung du dich befindest und welche therapeutischen Schritte nun eingeleitet werden können.
Welche Stadien gibt es und was bedeuten sie?
Die Unterteilung der Erkrankung in Stadien richtet sich nach der Größe bzw. Ausdehnung des Lungentumors und danach, ob auch Lymphknoten oder andere Organe betroffen sind. Grob lässt sich die Einteilung folgendermaßen zusammenfassen:
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- Stadium I: Der Tumor befindet sich nur in der Lunge, Lymphknoten und andere Organe sind nicht betroffen.
- Stadium II: Der Tumor in der Lunge ist relativ klein, aber die nächstgelegenen Bereiche innerhalb des Brustkorbes oder benachbarte Lymphknoten sind betroffen.
- Stadium III: In diesem Stadium hat der Tumor entweder bereits eine gewisse Größe erreicht oder sich auf andere Bereiche im Brustkorb ausgedehnt. Auch wenn sich in einem Lungenlappen mehr als ein Tumor befindet, wird dies als Stadium III bezeichnet.
- Stadium IV: Der Tumor hat sich auf andere Teile der Lunge ausgebreitet oder es sind Metastasen in anderen Organen vorhanden.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Prinzipiell kommen für die Behandlung von Lungenkrebs Operation, Chemotherapie oder Strahlentherapie infrage, unter Umständen können auch neue, molekularbiologische Therapien (sogenannte „Targeted Therapies“) eingesetzt werden.
Eine Operation ist vor allem dann sinnvoll, wenn der Tumor auf die Lunge beschränkt ist und keine Absiedelungen (Metastasen) in anderen Organen nachweisbar sind. Daher wird die Operation vor allem in frühen Stadien von Lungenkrebs durchgeführt, wenn die Chancen für eine vollständige Entfernung des Krebsgewebes am größten sind. Je nach Größe und Lage des Tumors werden dabei in der Regel ein oder zwei Lungenlappen oder sogar ein gesamter Lungenflügel gemeinsam mit den benachbarten Lymphknoten entfernt.
Die Chemotherapie kommt bei Lungenkrebs in allen Stadien zum Einsatz. Sie kann als alleinige therapeutische Maßnahme, vor oder nach einer Operation sowie in Kombination mit Strahlentherapie eingesetzt werden und leistet oft einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Heilungschancen und der Lebensqualität. Ziel der Chemotherapie ist es, die Krebszellen in ihrem Wachstum zu stoppen, sie zu schädigen und damit eine Rückbildung des Tumors zu erreichen. Die Medikamente sollen Zellen angreifen, die sich gerade in der Teilungsphase befinden – daher wird Tumorgewebe durch eine Chemotherapie stärker geschädigt als gesundes Gewebe. Allerdings werden auch rasch wachsende, normale Zellen angegriffen, wodurch oft unerwünschte Nebenwirkungen auftreten.
Auch die Strahlentherapie ist oft fester Bestandteil im Behandlungsplan bei Lungenkrebs. Sie kommt zum Einsatz, wenn eine operative Entfernung des Tumors nicht möglich bzw. nicht sinnvoll ist oder um den Effekt einer Chemotherapie zu unterstützen. Ziel der Strahlentherapie ist es ebenfalls, Krebszellen zu zerstören und damit eine Ausbreitung des Tumors zu verhindern. Dabei greifen energiereiche (ionisierende) Strahlen den Zellkern der Tumorzellen an, wodurch sie sich nicht mehr teilen können und absterben. Spezielle Geräte bestrahlen gezielt den Tumor in der Lunge – durch diese lokale Anwendung treten bei der Strahlentherapie in der Regel weniger Nebenwirkungen auf. Die Behandlung selbst dauert nur wenige Minuten und verläuft schmerzlos.
Zielgerichtete Therapien (Targeted Therapy) sind das jüngste Mittel im Werkzeugkoffer der Onkologen. Dabei handelt es sich um Medikamente, die zielgenau auf bestimmte Eigenschaften reagieren, die nur Tumorzellen aufweisen. Medikamente aus dieser Gruppe können gezielt diese genetisch veränderten Strukturen (Zielstrukturen, Targets) in der Krebszelle angreifen und deren Aktivität blockieren. Dadurch werden das Wachstum und die Vermehrung der Krebszellen sowie das Fortschreiten der Erkrankung gehemmt. Diese Form der medikamentösen Therapie beeinflusst also Prozesse, die in erster Linie in Tumorzellen ablaufen – gesunde Zellen bleiben daher weitgehend verschont. Nicht alle Patienten können von einer zielgerichteten Therapie profitieren. Die Voraussetzung ist, dass der Tumor bestimmte Merkmale aufweist, gegen die ein Medikament verfügbar ist. Deshalb ist eine zielgerichtete Therapie Teil einer individuellen Behandlung oder „personalisierten Medizin“, wo die Therapie nach einer aufwändigen Labor-Diagnose genau an den Patienten angepasst wird.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten einer Lungenkrebs?
Die Krankenkassen übernehmen in der Regel alle Kosten, die mit der Genesung von Lungenkrebs einhergehen. Dazu gehören die Diagnosestellung, die Therapie und die Nachbehandlung, also die erforderlichen Medikamente und Rehabilitationsmaßnahmen nach Abschluss der Therapie. Ähnliches gilt auch für Vorsorgeuntersuchungen, die dazu dienen sollen, eine mögliche Krebserkrankung früh zu erkennen und somit die Chancen auf Heilung zu erhöhen.
Patienten haben auch dann das Recht auf die Kostenübernahme, wenn die Prognose schlecht ist. Das Sozialgesetzbuch schreibt dabei vor, dass die Maßnahmen „ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich“ sein müsse und das „Maß des Notwendigen“ nicht überschreiten dürfen. Das betrifft nicht nur die Behandlung als solche, sondern auch die Wahl des Arztes.
Wie geht es jetzt weiter?
In der nächsten Zeit werden einige wichtige Entscheidungen auf Sie zukommen. So müssen etwa oft Nebenwirkungen und Nutzen von einzelnen Therapien gegeneinander abgewogen werden. Vergessen Sie dabei aber nicht, dass Sie mit der Diagnose nicht auf sich allein gestellt sein müssen. Teilen Sie Ihrem Arzt Ihre Ängste und Wünsche mit – er wird Ihnen dabei helfen, den für Sie optimalen Weg zu finden.
Die Lebenserwartung bei Lungenkrebs hat sich in den letzten Jahren erhöht. Neuere Therapieoptionen und eine Reihe begleitender Maßnahmen bieten zudem oft gute Möglichkeiten, eventuelle Nebenwirkungen oder Beschwerden zu lindern und den Alltag zu erleichtern.
Scheuen Sie sich nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn Sie nicht mehr weiterwissen. Beratungsstellen (wie die Österreichische Krebshilfe, www.krebshilfe.net), Selbsthilfegruppen oder eine psychologische Begleitung können neue Perspektiven eröffnen und Ihnen dabei helfen, den Alltag mit der Diagnose zu meistern.