Tumormarker (Krebsmarker)
Autor
OA Dr. med. Ercan Müldür
Medizinischer Experte
CO-AUTOR
Alexandra Musalek
Online-Redaktion
Tumormarker routinemäßig zu erheben, klingt erstmal nach einem schonenden, einfachen und kostengünstigen Verfahren, seiner Sorge um die Entstehung von Krebs entgegenzuwirken. Obwohl es einige Krebsarten gibt, bei welchen Tumormarker sehr deutliche Hinweise auf einen zugrundeliegenden Tumor liefern können, ist die Mehrzahl der Marker zu unspezifisch, um einen eindeutigen Befund darzustellen und eine lückenlose Vorsorgeuntersuchung zu bieten. Deshalb solltest du mit deinem zuständigen Arzt immer auch die Folgen beachten, die sich aus einem positiven oder falsch positiven Befund ergeben können.
Was versteht man unter Tumormarkern?
Unter Tumormarkern versteht man bestimmte körpereigene Substanzen im Blut, etwa Proteine, Peptide, Antigene oder Hormone, die bei einer Krebserkrankungen in erhöhter Konzentration vorhanden sind. Diese erhöht vorhandenen Stoffe werden dabei entweder von den Krebszellen selbst gebildet und ins Blut abgegeben oder aber vom Körper bzw. dem gesunden Gewebe als Reaktion auf den Krebs hergestellt. Sie lassen sich durch eine Laborprobe des Blutes nachweisen, in hohen Konzentrationen können sie auch schon im Urin gefunden werden. Die Marker eignen sich dazu, den Verlauf und den Erfolg einer Krebstherapie zu beurteilen, weniger aber zu einem Screening oder einer Früherkennung aufgrund ihrer unzureichenden Spezifität. Tumormarker gehören zu den Biomarkern.
Wie werden Tumormarker bestimmt?
In der Regel werden Tumormarker über eine Blutprobe erfasst, dabei reicht meist eine vergleichsweise geringen Blutmenge aus, die dein Hausarzt auch direkt in seiner Praxis abnehmen kann. Wie lange es dauert, bis deine Ergebnisse vorliegen, hängt vom jeweiligen Test ab und davon, ob die Blutproben zur weiteren Untersuchung in ein Speziallabor eingeschickt werden müssen. Zur Erfassung von Tumormarkern stehen heute standardisierte Testverfahren zur Verfügung, so genannte „Sets“ oder „Kits“, welche von vielerlei Anbietern in der Industrie angeboten werden.
Können Tumormarker einen Tumor diagnostizieren?
Tumormarker lassen sich bei vielen an Krebs erkrankten Menschen im Gewebe oder anderen Körperflüssigkeiten nachweisen. Wichtig ist, dass allein das Vorhandensein dieser biologischen Substanzen in erhöhter Konzentration noch kein vollwertiges Indiz für das Vorliegen einer Tumorerkrankung ist. Viele dieser Marker sind – wenn auch meist in niedrigerer Konzentration – auch bei gesunden, tumorfreien Menschen nachweisbar. Sie können etwa durch Entzündungen im Körper zeitweilig erhöht sein. Andersrum gibt es auch krebskranke Menschen, bei denen diese Werte bei einer Laboruntersuchung im Normalbereich liegen, denn nicht jeder Tumor produziert diese Marker. Viele Tumormarker sind zudem nicht spezifisch für eine Krebserkrankung, das heißt, sie können bei unterschiedlichen Krebsarten nachweisbar oder auf eine andere Ursache zurückzuführen sein. Die Mehrzahl der Tumormarker eignet sich daher nicht zur Früherkennung und Diagnosestellung von Krebserkrankungen.
Können Tumormarker zur Kontrolle einer Behandlung dienen?
Eine wichtige Rolle spielen Tumormarker bei der Verlaufskontrolle einer Krebserkrankung. Sie geben den Medizinern Aufschluss darüber, wie gut die gewählte Therapiemethode anschlägt. Ist der Wert eines Markers anfangs hoch und sinkt er mit Fortdauer der Chemotherapie oder Bestrahlung, weist dies auf ein Schrumpfen des Tumors hin. Umgekehrt deutet ein Steigen des Wertes an, dass der Tumor möglicherweise wieder wächst. Die Bestimmung eines Tumormarkers ist nur einer von vielen Wegen zur Diagnose bzw. zur Bewertung einer Krebstherapie. Ausschlaggebend bei der Wahl der richtigen Behandlungsmethode bleiben bei den meisten Krebsarten die TNM-Kriterien (Größe des Tumors, Lymphknotenbefall, Metastasen) und die Beschaffenheit des Tumors.
Wichtig: Ärzte verlassen sich niemals nur auf einen Tumormarker, sondern ziehen auch andere Untersuchungen heran, um den Therapieerfolg zu beurteilen.
Welche Rolle spielen Tumormarker bei Erstellung einer Prognose?
Die Art und das Stadium der Krebserkrankung, die TNM-Kriterien, die biologischen Eigenschaften der Tumorzellen sowie das Alter, der Allgemeinzustand und Vorerkrankungen des Patienten – all das spielt bei einer Prognosestellung durch die zuständigen Ärzte eine Rolle. Auch in diesem Bereich können Tumormarker und ihre bereits vorhandene Konzentration zum Einsatz kommen.
Wichtig: Trotz aller wissenschaftlich anerkannten Untersuchungsmethoden lässt sich der Krankheitsverlauf bei einem Patienten nie genau voraussagen.
Was sind die häufigen Tumormarker?
Bei einigen Krebsarten können Tumormarker relativ aussagekräftige Indizien für das Vorliegen eines Tumors sein, dies gilt u.a. für Darmkrebs (Marker = CEA), Hodenkrebs (hCG), Prostatakrebs (PSA-Screening), Leberkrebs und Magen- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs. Auch bei Leukämien und Lymphomen ist eine regelmäßige Erhebung der Tumormarker sinnvoll, bei diesen systemischen, also nicht organbezogenen Krebserkrankungen befinden sich immer bestimmte Eiweißstoffe im Blut und stellen typische Krankheitsmerkmale dar.
Zu den wichtigsten Tumormarkern gehören:
- CEA – Carcioembryonales Antigen wird bei Verdacht auf Dick- oder Enddarmkrebs, einen Tumor des Magens, der Lunge oder der weiblichen Brust erhoben, er erscheint aber auch bei Entzündungen oder Leberzirrhose erhöht, weshalb er als eher unspezifischer Marker gilt
- AFP – Alpha-Ferroprotein – ist ein Eiweiß, das normalerweise in der Schwangerschaft vom Fetus gebildet wird. In erhöhter Konzentration kommt es vor allem bei Keimzellentumoren des Hodens und der Eierstöcke vor
- CA 19-9 – Carbohydrate-Antigen 19/9 ist ein Marker für Tumoren in der Bauchspeicheldrüse, der Gallenwege, der Leber, des Magens, sowie des Dick- und Enddarms., welcher allerdings nur bei Menschen mit bestimmter Blutgruppe gemessen werden kann
- CA 72-4 – Cancer antigen 72/4 hilft dabei, den Therapieerfolg und den Verlauf von Magenkrebs zu kontrollieren. Es kommt auch bei bestimmten Formen von Eierstockkrebs als Marker zum Einsatz
Calcitonin ist ein Eiweiß, das in den C-Zellen der Schilddrüse gebildet wird und ein Hinweis auf das Vorliegen bestimmter Formen von Schilddrüsentumoren dienen - HCG – gilt als Marker für Tumoren der Keimzellen der Eierstöcke oder des Hodens, sie werden gemeinsam mit den Werten des AFP-Markers außerdem für die Kontrolle des Verlaufs von Hodentumoren erhoben
- PSA – Prostataspezifisches Antigen ist ein Zucker-Eiweiß-Protein, welches in der Prostata gebildet wird und bei erhöhter Konzentration ein Hinweis auf Prostatakrebs darstellen kann, dabei kann es sich aber auch um ein gutartiges Krebsgeschwür handeln.
Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass, obwohl das Vorhandensein von erhöhten Tumormarkern noch keine Diagnose darstellt, sie in der Krebsbehandlung in den folgenden Bereichen wichtige Informationen liefern können:
- Diagnosesicherung, also, um welche Art von Tumor es sich handeln könnte
- Verlaufskontrolle, ob und wie schnell die Erkrankung fortschreitet, sie gleich bleibt oder zurück geht?
- Erkennung eines Rezidivs, also ob der Tumor nach erfolgreicher Behandlung erneut auftritt